Willkommen im intimsten Studio der Welt: Wenn das Wohnzimmer zur Bühne wird
Hallo zusammen, ich bin’s, Ortwin! Schön, dass ihr wieder dabei seid. Ich nehme euch heute mit auf eine Reise, die eigentlich gar nicht so weit wegführt – nämlich direkt ins eigene Wohnzimmer. Wie oft sitzen wir Fotografen da und ärgern uns: Das Wetter draußen ist mies, die perfekte Location ist zu teuer, oder wir haben einfach nicht die Zeit für ein riesiges Setup. Aber wisst ihr was? Manchmal liegt die Lösung für richtig spannende Portrait Fotografie direkt vor uns auf dem Lowboard.
In meinem neuen Video zeige ich euch, wie wir einen ganz normalen Fernseher nicht zum Netflix-Schauen, sondern als kreativen Fotohintergrund nutzen. Schaut mal, wir alle kennen diese klassischen Papierhintergründe. Die sind super, keine Frage. Aber sie leuchten nicht. Sie leben nicht. Ein TV-Bildschirm hingegen ist ein Portal. Er ist Lichtquelle, Stimmung und Story in einem.
Der Vollmond im Wohnzimmer: Emotionen statt Pixel
Für dieses Shooting hatte ich eine ganz bestimmte Vision im Kopf: Eine nachtschlafende, fast melancholische Szenerie. Ein Model vor einem riesigen, leuchtenden Vollmond. Der Mond hat in der Fotografie immer etwas Magisches. Er zieht uns an, er erzählt Geschichten von Sehnsucht, von Stille und von Geheimnissen.
Jetzt könnte man natürlich rausgehen und hoffen, dass man in einer klaren Nacht den Mond perfekt einfängt, während man gleichzeitig das Model ausleuchtet. Das ist technisch ein Albtraum und nimmt oft die ganze Spontanität aus dem Shooting. Also dachte ich mir: Holen wir den Mond doch einfach zu uns rein. Wir bringen das Universum in einen kleinen Raum.
Licht und Schatten: Die philosophische Seite des Setups
Ihr wisst, wie ich arbeite. Für mich geht es nicht um die Frage, ob der Fernseher 4K oder 8K hat. Das ist völlig egal. Es geht um Licht und – fast noch wichtiger – um Schatten. Ein Fernseher als Fotohintergrund ist kein passives Element. Er wirft aktiv Licht auf unser Motiv.
Wenn wir einen Vollmond auf dem Screen haben, dann haben wir eine starke Gegenlichtquelle. Und genau da fängt für mich die cinematische Bildsprache an. Wir kreieren eine Illusion. Das harte, kalte Licht des digitalen Mondes trifft von hinten auf die Schultern des Models. Es entsteht ein Streiflicht, das die Silhouette vom dunklen Hintergrund trennt. Das ist pure Dramatik!
Unser Job ist es dann nur noch, das Licht von vorne so zu setzen, dass es sich natürlich anfühlt. Wenn ich von hinten dieses mystische Mondlicht habe, darf ich von vorne nicht mit einem platten, langweiligen Studioblitz alles kaputtmachen. Wir müssen mit dem Licht des Fernsehers spielen, ihm antworten. Die Schatten, die in Richtung Kamera fallen, erzählen die Geschichte der Nacht. Sie geben dem Bild Tiefe und eine fühlbare Seele.
Vergesst die Technik, fokussiert euch auf den Vibe
Ich höre schon die Stimmen: „Ortwin, sieht man da nicht die Pixelfolie? Reflektiert der Screen nicht?“ Ja, natürlich gibt es ein paar Dinge zu beachten. Wenn man das Model direkt mit der Nase an den Fernseher stellt und Blende 8 nutzt, dann sieht es aus, als stünde jemand vor einem… nun ja, Fernseher.
Das Geheimnis meiner Herangehensweise ist die Unschärfe und die Distanz. Wir trennen das Model vom Hintergrund. Durch offene Blenden verschwimmen die Pixel auf dem Bildschirm. Der Fernseher löst sich auf und wird zu dem, was das Bild zeigt – in diesem Fall zum kalten, leuchtenden Mond. Wir täuschen das Auge, und genau das liebe ich an der Portrait Fotografie so sehr. Es geht um das Gefühl, das der Betrachter hat, wenn er das fertige Bild sieht. Er soll den kalten Wind der Nacht spüren, nicht an einen Smart-TV denken.
Kreativität braucht keinen großen Geldbeutel
Einer der Gründe, warum ich dieses Video unbedingt machen wollte, ist die Message dahinter. Hollywood nutzt riesige LED-Wände (Stichwort: „Volume“), um ganze Welten für Serien zu erschaffen. Das Prinzip, das ich euch hier zeige, ist genau das gleiche – nur eben im Micro-Format für uns Fotografen.
Ihr braucht kein massives Budget, um cinematische Bilder zu erschaffen. Euer Kopf, ein Model, ein bisschen Gespür für Licht und Schatten und ein ganz normaler Bildschirm reichen aus, um Porträts zu machen, die aus der Masse herausstechen.
Schaut euch das Video an und lasst euch inspirieren!
Ich lade euch herzlich ein, euch das Video oben anzusehen. Ich nehme euch komplett mit hinter die Kulissen. Ihr seht das Setting, wie wir die Lichter positioniert haben, wie ich mit dem Model kommuniziere und vor allem: Wie aus einem nackten Wohnzimmer durch das richtige Licht eine emotionale Szene unterm Vollmond wird.
Schaut dem Prozess zu und lasst die Stimmung auf euch wirken. Und dann, das ist mir das Wichtigste: Probiert es selbst aus! Habt ihr schon mal einen Fernseher als Hintergrund benutzt? Was würdet ihr auf dem Screen laufen lassen? Eine verregnete Cyberpunk-Stadt? Ein abstraktes Farbenspiel? Den Weltraum?
Ich bin mega gespannt auf eure Ideen. Lasst uns die Welt der Fotografie ein bisschen freier und kreativer machen. Wir sehen uns im Video – viel Spaß beim Anschauen und bis zum nächsten Mal, euer Ortwin!
