Keine Ausreden mehr: Große Bilder im kleinsten Raum

Hallo Freunde der Fotografie! Willkommen in meinem… na ja, Flur. Ihr habt mich ja schon ein paar Mal darauf angesprochen, dass mein eigentliches Studio mit seinen viereinhalb Metern Breite und knapp zwölf Metern Länge ein echter Luxus ist. „Toll, Ortwin“, habt ihr geschrieben, „wenn ich so ein großes Studio hätte, könnte ich deine Bilder auch machen!“

Wisst ihr was? Das lass ich nicht auf mir sitzen. Eure Kommentare waren der Auslöser für dieses Video. Denn Fotografie lebt nicht von Quadratmetern, sondern von Vorstellungskraft, Licht und Schatten.

„Challenge accepted. Also, wir haben hier einen kleinen Flur, der ist 1,12 m breit und 3 m hoch allerdings, und genau da werden wir heute unser Shooting machen.“

Ich nehme euch heute mit in ein Extrem-Szenario. Ein Raum, so eng, dass ich mich kaum um die eigene Achse drehen kann. Wir haben genau einen Blitz, mein Model Sandra, und ein paar wilde Konstruktionen aus dem Baumarkt. Wenn ihr glaubt, in einem kleinen Raum kann man keine cineastischen und ausdrucksstarken Porträts machen – dann schaut mal genau hin. Ich beweise euch das Gegenteil.

Die Baumarkt-Boutique: Setbau mit Dränagefolie und Silber-Teppich

Bevor Sandra angerückt ist, war ich im Baumarkt. Warum? Weil ein hässlicher Flurboden kein gutes Bild macht, und weil ich – wenn ich schon nur einen Godox-Blitz einsetze – jede Menge Reflexionsfläche brauche. Licht ist Formbarkeit. Wenn ich das Licht von oben setze, brauche ich etwas, das mir von unten die harten Schatten in den Augenhöhlen und unter dem Kinn aufhellt.

Deshalb seht ihr im Video diesen silbernen Bodenbelag aus dem Hornbach. Er reflektiert das Licht wunderschön und wirft einen soften Hauch von unten zurück auf Sandras Gesicht. Dazu noch etwas Kunststoff-Dränagefolie als Textur für den Hintergrund. Fotografie muss nicht teuer sein, sie muss clever sein. Ihr müsst nur wissen, wie sich Licht verhält, wenn es auf Oberflächen trifft. Silber reflektiert kühl, lenkt das Licht zurück und gibt uns in diesem engen Schlauch von Flur genau den Punch, den wir brauchen.

Licht aus, Welt aus: Die absolute Kontrolle

Wenn ich in einem neuen Raum fotografiere – egal ob riesige Halle oder 1,12 Meter schmaler Flur – setze ich zuerst die Realität auf null. Was bedeutet das? Ich stelle die Kamera (hier meine Nikon Z7 II mit dem 24-70mm Objektiv) so ein, dass ohne Blitz absolut nichts zu sehen ist. Bei mir war das eine 1/200 Sekunde, Blende 5.6 und ISO 100.

„Erstes Bild: Lächeln – kein Blitz – kein Bild. Genauso soll es sein! Also das Umgebungslicht hier spielt keine Rolle.“

Dieses schwarze Bild ist eure Leinwand. Die weißen Wände des Flurs, die gelbliche Deckenlampe, der Alltag – all das radiere ich damit aus. Wir erschaffen unsere eigene Welt. Sobald der Blitz dazu kommt, entscheide nur ich, wo das Licht hinfällt und welche Geschichte die Schatten auf Sandras Gesicht erzählen.

Ganz nebenbei: Im Video benutze ich TTL (Through The Lens, also die automatische Blitzbelichtungsmessung) und regle es einfach auf Minus eine Blende runter oder etwas rauf, je nach Bedarf.

„Ich weiß, viele von euch sagen, TTL das ist nicht profimäßig, aber wie lange soll das Video denn noch gehen?“

Lasst euch von Kamera-Specs und Technik-Polizisten nicht verrückt machen. Nimmt das, was funktioniert, und konzentriert euch lieber auf die Interaktion mit dem Menschen vor eurer Linse.

Hart und Weich: Wie Schatten Emotionen lenken

Achtet im Video mal genau auf die Schatten. Bei den ersten Bildern steht der Blitz so, dass auf Sandras linker Seite ein ziemlich harter, dominanter Schatten entsteht. Schatten sind kein Fehler. Ein Schatten gibt dem Gesicht Kontur, Tiefe und einen kantigen, dramatischen Charakter. Ein harter Schatten sagt: Hier ist Konflikt, hier ist Spannung.

Aber was passiert, wenn wir die Stimmung ändern wollen? Wir drehen den Blitz einfach um. Jetzt feuert er gegen die Decke und die rückwärtige Wand des Flurs. Plötzlich prallt das Licht ab, wird riesengroß und umhüllt Sandra. Schaut euch den Schatten in dieser neuen Einstellung an: Er ist fast verschwunden. Das Licht ist weich, schmeichelhaft und ruhig. Und das alles, ohne den Raum zu wechseln oder riesige Softboxen aufzubauen, für die wir in diesem Flur ohnehin keinen Platz hätten.

Aus Weiß wird Schwarz: Die Magie des Projektionsspots

Am Ende des Shootings bauen wir noch mal um – und hier wird es richtig cinemastisch. Wir sind in einem weißen Flur, aber ich will ein tiefschwarzes, geheimnisvolles Bild. Wie geht das?

Ich montiere einen Projektionsspot (einen optischen Snoot) auf meinen Godox. Dieser Spot bündelt das Licht so extrem, dass es nur noch einen scharfen runden Kreis direkt auf Sandras Gesicht wirft. Der Rest vom Blitzlicht wird blockiert. Und weil kein Streulicht mehr auf die weißen Wände hinter ihr fällt, versinken diese in kompletter Dunkelheit.

Passend dazu trägt Sandra ein schwarzes Shirt. Das Resultat? Ihr Gesicht und die Katze auf ihrem T-Shirt treten aus dem Nichts hervor. Es sieht aus wie in einem teuren, düsteren Studio – dabei klemme ich noch immer eingequetscht neben meinem Stativ in diesem viel zu engen Flur fest. Es ist ein Spiel mit Licht, Fokus und Dunkelheit. Der Schatten formt das Mysterium, das Licht lenkt den Blick.

Fazit: Packt es an!

Wenn ihr also einen Kellerflur, ein Stück Flur zwischen Wohnzimmer und Bad oder einfach nur eine winzige Zimmerecke habt: Ihr habt genug Platz! Ihr braucht kein 100-Quadratmeter-Studio für ausdrucksstarke Porträtfotografie. Ihr braucht Mut zur Improvisation, einen Blitz und ein Gefühl dafür, was Licht auslöst, wenn es auf euer Model trifft.

Schaut euch das Video oben unbedingt an, um den genauen Aufbau zu sehen und mitzuerleben, wie Sandra und ich uns durch diesen Flur kämpfen. Achtet auf die Wandlung der Bilder – vom harten Schatten bis zur filmreifen Dunkelheit.

Wenn es euch inspiriert hat, dann tut mir zwei Dinge an: Schnappt euch eure Kamera und probiert es am Wochenende in der engsten Ecke eurer Wohnung aus. Und danach drückt im Video auf Like und lasst ein Abo da. Mein Ziel von 10.000 Followern wartet auf meiner Liste.

Schreibt mir unten in die Kommentare: Was hat euch besser gefallen? Das Setup, die fertigen Bilder oder einfach nur die pure Notlösung in diesem Miniraum? Wir sehen uns beim nächsten Mal – dann vielleicht wieder aus dem großen Studio, oder mit riesigen Schlangen aus dem TerraZoo. Bis dahin: Bleibt kreativ und spielt mit dem Licht!

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