Willkommen im Studio-Chaos, Freunde der Fotografie!

Hallo Freunde der Fotografie, ich bin’s, euer Ortwin! Ich nehme euch heute mit in ein Shooting, das eigentlich gar nicht geplant war. Kennt ihr diese Tage? Ihr seid komplett durch, das Studio sieht aus wie ein Schlachtfeld, und plötzlich klingelt das Telefon. Genau das ist mir passiert.

Ich war am Vortag auf einem großen Shooting in Rheinhausen, danach noch bis 5 Uhr morgens auf einer Party, um dort zu fotografieren. Und gerade als ich am Mittag so halbwegs wieder zu mir kam, rief mich mein Model Sarathustra an. Sie war auf einem Event und hatte dort eine absolut unfassbare Frisur verpasst bekommen – eine klassische Wasserwelle. Eine echte Königsdisziplin! Sie meinte: „Ortwin, das ist zu schade für ein paar Handyfotos auf dem Hinterhof, wir müssen das vernünftig shooten!“

Tja, und da stand ich nun. In meinem Studio, das wirklich noch komplett im Chaos versunken war. Aber wisst ihr was? Genau aus solchem Chaos, aus dieser Spontanität heraus, entstehen oft die ehrlichsten und besten Geschichten.

Warum ich mich mit meinem Model gestritten habe

Wir haben also telefoniert, und bevor sie überhaupt da war, hatten wir schon unsere erste Diskussion. Es ging um das Licht. Licht ist ja nicht einfach nur hell machen – Licht formt das Gesicht, Licht transportiert die Epoche, Licht ist pure Emotion. Und bei einer Wasserwelle aus den 30er oder 40er Jahren muss das Lichtset einfach stimmen.

„sarathustra meinte sie wollte so eine alte Lichtstimmung haben halt so mit Beauty Dish von oben und halt irgendwie einen auffäer von unten diese clemshell Beleuchtung und ich habe gesagt hey das ist doch keine alte Beleuchtung die alte Beleuchtung ist eigentlich dieses Paramount Licht was so halt so ein hartes Licht was so von der Seite kommt mit dem normalreflektor und wir konnten uns nicht drauf einigen.“

Da prallten also zwei Visionen aufeinander. Sie wollte die softe, schmeichelhafte Clamshell-Beleuchtung (Beauty Dish plus Reflektor von unten), ich wollte das dramatische, cinematische Paramount-Licht. Wie löst man so etwas im echten Leben? Richtig: Man baut einfach beide Lichtsets auf und schaut, was passiert. Schaut euch das genau im Video an, da zeige ich euch beide Varianten im direkten Vergleich.

Lichtset 1: Mein Favorit – Dramatik und Kontraste

Für meinen Ansatz haben wir uns für einen Kate Backdrop in Rost-Optik entschieden. Den hatte ich schon ewig rumliegen, aber noch nie geshootet. Es musste einfach sein!

Mein Set war klassisch und dramatisch. Hauptlicht von der Seite. Haarlicht von hinten mit einem 20-Grad-Grid auf dem Normalreflektor, damit sich diese fantastische Frisur schön vom Hintergrund ablöst. Aber hier kommt der philosophische Teil der Studiofotografie: Wo setze ich das Licht für den Hintergrund hin?

Ich baue Licht immer wie ein Gemälde auf. Wenn ihr das Gesicht von der rechten Seite anleuchtet, habt ihr links eine Schattenseite. Wenn ihr jetzt den Hintergrund auf der gleichen Seite hell macht, wo das Gesicht hell ist, habt ihr „Hell auf Hell“. Das säuft ab, da fehlt die Tiefe. Mein Trick (und der Trick der alten Hollywood-Meister): Der Hintergrund-Blitz leuchtet die Seite an, auf der das Gesicht im Schatten liegt. So habe ich einen hohen Helligkeitskontrast. Helles Gesicht vor dunklem Hintergrund, und dunkleres Gesicht vor hellem Hintergrund. Das gibt dem Bild diese unglaubliche Dreidimensionalität.

Die Wasserwelle – Ein Kunstwerk, das nach Licht schreit

Als Sarathustra dann im Studio stand, habe ich erst begriffen, warum sie so dringend fotografiert werden wollte. Die Frisur war der Wahnsinn. Sie war am Morgen bei einem Event in Neuss von Katrin gestylt worden, einer Meisterin aus der Friseurschule von Michael Monstermacher. (Grüße gehen raus an das Team!).

Sie hatte nicht nur perfekte Wellen, sondern auch Goldglitzer und Perlen im Haar. Wir standen da und ich musste echt lachen:

„Ich sehe, du hast Goldglitzer in den Haaren, du hast Goldperlen in den Haaren wie ein Tannenbaum… Jingle Bells, Jingle Bells!“

Aber mal im Ernst: Solche Details im Haar brauchen ein richtig gutes Haarlicht. Ohne ein Streiflicht von hinten verschwinden all diese feinen Perlen und Strukturen im dunklen Nichts des Studios. Schaut mal im Video, wie ich die Leistung meiner Godox-Blitze immer wieder anpasse, bis das Haarlicht genau diesen goldenen Schimmer freilegt.

Lichtset 2: Clamshell und der Beauty Dish – Sarathustras Vision

Nachdem wir mein Setup im Kasten hatten, haben wir komplett umgebaut. Mitten im Chaos! Wir haben den Profoto Magnum Reflektor (den ich als Beauty Dish nutze) 45 Grad von schräg oben kommen lassen. Von unten kam eine simple Styroporplatte auf einem Stuhl als Aufheller – das klassische Clamshell-Licht. Es heißt so, weil es aussieht wie eine geöffnete Muschel, in der das Modell steht.

Und ich muss ganz ehrlich zugeben: Als ich die ersten Bilder auf dem Display gesehen habe, war ich geflasht. Es sah großartig aus. Und das bringt mich zu einer meiner wichtigsten Erkenntnisse in der Peoplefotografie:

„Wenn ihr Modelle habt, die super gut mitdenken, mitarbeiten und auch wissen, was sie wollen und was sie können… Traut den einfach! Modelle, redet einfach mal mit den Fotografen und sagt auch mal: Hey, ich will das ganz anders haben! Da kommt meistens was Tolles bei raus.“

Die Zusammenarbeit zwischen Fotograf und Model sollte immer ein Dialog sein. Niemals ein Diktat. Meine Schatten und harten Kanten haben ihren Reiz, aber Sarathustras Idee, dieses weiche, aber dennoch gerichtete Beauty-Licht zu nutzen, passte einfach perfekt zur Eleganz dieser Frisur.

Wenn der Wurm drin ist: Pannen gehören dazu

Natürlich lief nicht alles glatt. Dieses spontane Shooting dauerte am Ende fast drei Stunden. Wir hatten einen lustigen Continuity-Fehler, den die Adleraugen unter euch im Video vielleicht sofort bemerken.

Ich wollte eigentlich das Lichtset exakt mit demselben Outfit vergleichen. Aber unsere Kommunikation war wohl etwas lückenhaft. Sarathustra dachte, für das neue Set macht sie sich sofort einen neuen Look, hat sich teilweise schon abgeschminkt und umgezogen, während ich noch die Blitze rückte. Als ich bereit war, sah sie plötzlich ganz anders aus! Wer das im Video direkt gesehen hat: Zehn von zehn Punkten für deine Aufmerksamkeit! Aber hey, „alles für die Bilder, nichts für den Dackel“, wie ich immer sage. Solche Pannen machen den Studioalltag erst lebendig und menschlich.

Fazit: Was ist nun das bessere Licht?

Zwei völlig unterschiedliche Herangehensweisen, ein grandioses Model, viel zu wenig Schlaf und jede Menge herumfliegende Kabel im Studio. Das sind die Zutaten für ein ehrliches, rohes Fotoshooting, das nicht aus dem sterilen Hochglanz-Lehrbuch kommt, sondern das echte Handwerk zeigt.

  • Variante 1: Hartes Licht von der Seite, starker Helligkeitskontrast zwischen Gesicht und Hintergrund. Sehr filmisch, sehr charakterstark.
  • Variante 2: Beauty Dish 45 Grad von oben, Aufhellung von unten. Sehr schmeichelhaft, rückt das makellose Make-up und die Wasserwelle in den Fokus.

Jetzt seid ihr an der Reihe! Schaut euch das Video oben an, geht mit mir durch das Chaos des Umbaus und begutachtet die Ergebnisse auf dem Kameradisplay. Welches der beiden Lichtstimmungen spricht euch emotional mehr an? Seid ihr Team „Ortwins düsteres Paramount“ oder Team „Sarathustras weiche Clamshell“?

Schreibt es mir unbedingt unten in die Kommentare auf YouTube! Ich lese das alles und diskutiere gerne mit euch weiter über Licht, Schatten und die Philosophie dahinter.

Dass Fotografie nicht immer perfekt durchgeplant sein muss, hat dieser Nachmittag wieder einmal bewiesen. Habt Mut zur Lücke, habt Mut zum Chaos und probiert einfach mal etwas Neues im Studio aus. Bis zum nächsten Mal, bleibt kreativ – euer Ortwin!

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