Hallo Freunde der Fotografie – Willkommen zu unserem China-Abenteuer
Ich nehme euch heute mit auf eine Reise, die wir so schon lange im Kopf hatten. Raus aus dem Gewohnten, rein in eine völlig andere Welt. Das hier ist nicht einfach nur ein Urlaub, das ist eine fotografische Suche nach dem normalen Leben in einem Land, das uns im Westen oft so fremd erscheint. Wir sind in China angekommen. Genauer gesagt: Tag eins in Shanghai.
Das Konzept hinter dieser Reise ist eigentlich ziemlich spannend. „Drei Linsen auf China“. Wir sind als Trio unterwegs – und unterschiedlicher könnten wir als Fotografen kaum sein. Da bin ich, der sich in der Street- und Urban-Fotografie zu Hause fühlt, nach den filmischen Momenten sucht und gerne mal in der Bildbearbeitung die Stimmung verdichtet. Dann ist da Uwe, der das ganz normale Leben einfängt, aber immer mit diesem gewissen exzentrischen Twist. Und Sandra? Sie sucht die Stille in der lauten Stadt. Keine Menschen, keine künstliche Bearbeitung, dafür Filter auf der Linse. Filter-Junkie, wie sie selbst sagt.
„Wir versuchen auch so ein bisschen in die Hinterhöfe oder sowas zu kommen oder mal die Bereiche aufzunehmen, die ein wenig anders sind als die normalen YouTuber…“
Der Start: Chaos, verschwundene Tickets und die kleinstmögliche Gruppe
Fotografie hat viel mit Improvisation zu tun – und unvorhergesehene Dinge passieren nicht erst, wenn man mit der Kamera in einer fremden Gasse steht, sondern oft schon am Flughafen Frankfurt. Habt ihr schon mal euer Ticket liegen lassen, weil ihr hektisch Lithium-Akkus für die Kameraausrüstung umpacken musstet? Genau das ist mir passiert. Wir wurden zwischen Lufthansa und Air China hin und her geschickt, die Terminals wechselten, und irgendwann stand ich ohne Ticket da, während die anderen beiden schon durch die Security waren.
„Ich habe auch gelernt, wir sind eine Gruppe. Zwei sind keine Gruppe. Drei ist die kleinst mögliche Gruppe. Wir sind also als kleinstmögliche Gruppe unterwegs in China.“
Aber wisst ihr was? Genau das ist das Leben. Man kann planen, wie man will – am Ende schreibt die Realität die besten Geschichten. Genau wie auf der Straße. Du kannst dir die perfekte Location, das perfekte Sonnenlicht ausrechnen, und dann stellt sich im entscheidenden Moment ein Lieferwagen ins Bild. Du musst reagieren. Und irgendwie saß ich dann doch im Flieger nach Shanghai, 20 Reihen getrennt von Uwe und Sandra. 12 Stunden Zeit, um mich mit meinem Sitznachbarn über das chinesische „Hukou“-System zu unterhalten – ein spannendes Wohnsitz- und Berechtigungssystem, das mir gleich gezeigt hat: Diese Kultur funktioniert schlichtweg anders als unsere.
Shanghai: Neonlichter, Schatten und eine überraschende Stille
Und dann stehst du da. Nach dem Fingerabdruck-Scan, dem Visum-Zettel und der Fahrt mit der Magnetschwebebahn (Maglev) kommst du in dieser Megametropole an. Das Erste, was als Fotograf auffällt: das Licht. Shanghai ist ein Fest für jeden, der cinematografische Kontraste liebt. Du stehst unter einer dunklen, alten Brücke, drehst dich um, und knallharte, moderne Hochhausschluchten schieben sich in den Himmel, teilweise noch als Rohbau in den Wolken leuchtend.
Als Urban-Fotograf suche ich nicht das sterile Postkartenmotiv. Ich suche das Gefühl der Stadt. Schatten sind für mich mindestens so wichtig wie das Licht. Die tiefe Dunkelheit in den kleinen Hinterhöfen, die nur von ein paar leuchtenden Schildern durchbrochen wird, erzählt mir mehr über Shanghai als die glitzernde Skyline auf der Postkarte. Und was völlig verrückt ist: Diese Stadt ist stellenweise unglaublich leise. Fast alle fahren elektrische Roller. Du siehst das pulsierende Leben vor dir, eine Kreuzung wie Shibuya in Tokyo, aber das gewohnte Motorengeräusch fehlt. Es wirkt fast wie in einem Film, bei dem jemand die Tonspur leiser gedreht hat. Völlig surreal.
Photographers Heaven: Der Fuji Superstore
Wir haben uns bei der Unterkunft bewusst für ein einfaches Hostel in einer Seitenstraße entschieden. Kein Luxus, vier Betten, das Fenster geht direkt auf eine Baustelle. Aber wir sind nicht hier, um im Hotelzimmer zu sitzen. Wir brauchen nur einen Platz zum Laden der Akkus (und zum Schlafen).
Wenn wir schon in Shanghai sind, musste ich natürlich schauen, was die Stadt für uns Kamera-Nerds zu bieten hat. Schaut euch das unbedingt im Video an: Der Fuji Flagship Store ist absolut irre. Das ist nicht einfach nur ein Geschäft, das ist ein Heiligtum für Fotografen. Überall Beispielbilder mit den Exif-Daten daneben. Fantastische, handsignierte Bildbände, für die man weiße Handschuhe anziehen muss, um sie nicht zu beschmutzen. Dieser Respekt vor dem gedruckten Bild, vor der Kunst der Fotografie – das hat mich wirklich tief beeindruckt. Wir streben heute oft nur noch nach den schnellen Likes auf Instagram, aber dort in diesem Store spürte man wieder, wie wertvoll echte Fotografie ist.
Das kulinarische Blind Date
Natürlich besteht so eine Street-Photography-Tour nicht nur aus stundenlangem Herumlaufen mit der Kamera im Anschlag, sondern auch aus dem Eintauchen in die Lebensart. Dazu gehört das Essen. Und wenn man die Sprache nicht spricht und die Schriftzeichen nicht lesen kann, dann kauft man Getränke eben, weil die Flasche hübsch aussieht. Zitat von mir: „Ich hoffe, dass Pfirsich drin ist. Ansonsten habe ich keine Ahnung.“
Abends landeten wir in einem extrem leeren Einkaufscenter im Foodcourt. Und wer mich kennt, weiß, dass ich immer versuche, authentisch zu bleiben. Nichts wird beschönigt. Mein erstes echtes chinesisches Abendessen? Es war eine pure Herausforderung.
„Möchtest du was mit Milch trinken?“
„Nein. Nein. Ich möchte jetzt sterben… Das war jetzt irgendwie keine Ahnung, was es war, aber es war scharf.“
Wenn einen schon das ganz normale asiatische Essen in Shanghai dermaßen ins Schwitzen bringt, dann bin ich für unsere nächste Station Chongqing (die Hauptstadt des scharfen Essens) auf einiges gefasst.
Fazit: Packt die Kamera und lasst euch treiben
Dieser erste Tag in Shanghai war ein absoluter Reizüberfluss. Visuell, kulturell und menschlich. Genau dafür liebe ich die Fotografie. Sie zwingt mich, hinzuschauen. Sie zwingt mich, mich in unbekannte Situationen zu begeben – sei es eine dunkle Gasse, ein gigantischer Kamera-Store oder ein feuerspuckender Food-Stand.
Wenn ihr selbst auf Reisen geht, mein Tipp: Lasst den Touristen-Guide mal links liegen. Plant nicht jede Minute durch. Verlasst euch auf eure Augen, lasst euch vom Licht leiten. Verfolgt die Schatten, geht in die Straßen, in die sich sonst niemand verirrt. Nur da findet ihr die ungeschönten, authentischen Geschichten. Die Bilder, die wirklich etwas zu sagen haben.
Schaut euch unbedingt das Video oben an, um die Atmosphäre hautnah mitzuerleben – die stürzenden Linien der Architektur, die Neonlichter am Abend und unsere völlige Ahnungslosigkeit beim Abendessen. Im nächsten Video geht es weiter ans Erkunden – wir nehmen den „Bund“ und das French Concession Viertel ins Visier.
Lasst mich gerne in den Kommentaren unter dem Video wissen: Wärt ihr bei der extrem scharfen Nudelsuppe direkt ausgestiegen? Und was reizt euch fotografisch an einer asiatischen Metropole am meisten?
Bleibt kreativ und spielt mit dem Licht,
Euer Ortwin.
