Hallo Freunde der Fotografie, willkommen im Nordpark!

Ich nehme euch heute mal wieder mit raus. Raus aus dem gemütlichen Studio, rein in das echte Leben, dorthin, wo das Licht unberechenbar und die Natur unsere Kulisse ist. Ich bin im Nordpark in Düsseldorf unterwegs, zusammen mit meinem fantastischen Model Sarathustra. Wenn ihr schon mal zur Frühlingszeit hier wart, wisst ihr: Das ist der absolute Hotspot. Normalerweise tummeln sich hier hunderte Leute für Manga-Shootings unter den blühenden Bäumen.

Eigentlich war unser Plan ganz simpel: Wir wollten die berühmte Kirschblüte einfangen. Aber wie das oft so ist beim Location-Scouten und Planen von Shootings – die Natur hält sich nicht an unsere Termin Kalender. Wir waren schlichtweg eine Woche zu früh dran. Aber wisst ihr was? Genau das ist Fotografie. Man muss mit dem arbeiten, was da ist. Statt Kirschblüten haben wir eben wunderschöne Magnolienbäume gefunden. Sarathustra hatte sich passend dazu in ein atemberaubendes, original chinesisches Kleid geworfen, das sie direkt aus China mitgebracht hat. Und ich? Ich hatte ein ganz besonderes Stück Technik dabei, das unsere Art, Geschichten zu erzählen, an diesem Tag massiv prägen sollte.

Mittelformat-Magie: Die Fujifilm GFX 100S II im Einsatz

Ich bin eigentlich kein Typ, der euch ständig mit Kamera-Specs langweilt. Für mich ist Licht pure Emotion und Technik nur das Werkzeug, um diese Emotion greifbar zu machen. Aber dieses Setup muss ich euch kurz vorstellen, weil es den Look unserer Bilder extrem definiert. Ich hatte die Fuji GFX 100S II dabei. Vorne dran: Das 110mm f/2.0 Objektiv.

Lasst euch das auf der Zunge zergehen: Mittelformat bei Blende 2.0. Das ist eine absolute Nischenkamera gepaart mit einem reinen Porträtobjektiv, das ebenfalls eine totale Nische ist. Wenn man bei dieser Sensorgröße und dieser Offenblende fotografiert, entsteht eine cinematische Bildsprache, die man mit normalen Vollformatkameras kaum kopieren kann. Es gibt diesen unfassbaren 3D-Pop. Das Motiv wird regelrecht aus dem Hintergrund herausgeschnitten.

„Das hier ist eine Fuji GFX 100 S2 und da drauf ist ein Objektiv, ein Fuji Objektiv, ein 110 mm 2.0 Mittelformat… Nischenkamera und darauf dann noch ein Mittelformat, noch mehr Nischenkamera, reines Portraitobjektiv.“

Jedes Bild ballert im unkomprimierten RAW-Format mit über 100 Megapixeln auf die Speicherkarte. Das hat schon was! Aber es bringt auch Herausforderungen mit sich, besonders wenn man sich entscheidet, Available Light zu nutzen.

Available Light und der Kampf mit der harten Sonne

Den Funkauslöser hatte ich noch nicht zur Hand, also fiel der Blitz als Hauptlichtquelle flach. Ich wollte komplett mit dem arbeiten, was die Sonne uns gibt. Und die Sonne meinte es an diesem Tag fast zu gut mit uns. Das Licht war extrem hart. Zu Beginn saß Sarathustra in einer Astgabelung, die sie sich selbst ausgesucht hatte.

„Sarathustro hatte sich extra da oben diese Gabelung ausgesucht, weil sie meinte, da wäre es ganz bequem… was manche Frauen unter bequem verstehen. Ich saß da gerade auch. Für mich war es nicht bequem, aber egal.“

Wenn die Sonne von oben knallt und man eine massive Überstrahlung im Bild hat, muss man als Fotograf schnell umdenken. Ich habe versucht, gegen das Licht zu arbeiten. Schaut mal im Video auf die Stelle, wo ich nur noch Silhouetten mache. Wenn das Licht zu hell ist, nimm dem Licht einfach die Details und arbeite nur mit den Schatten. Schatten erzählen oft die viel spannenderen Geschichten.

Improvisation ist alles: Der Blitz als Schattengeber

Kennt ihr diesen Moment beim Shooting, wo ihr euch drehen und wenden könnt, wie ihr wollt, aber das Licht einfach von der falschen Seite kommt? Sarathustra saß wunderschön zwischen den Blumen, aber das grelle Sonnenlicht wäre uns komplett ins Bild gestrahlt. Und hier kommt der Trick, den ich wirklich liebe: Nutze dein Equipment umgekehrt.

Ich hatte meinen Blitzaufbau dabei, habe ihn aber nicht genutzt, um Licht zu machen. Ich habe ihn als Abschatttung, als sogenannten Flag, eingesetzt. So konnte ich die harte Sonne blocken und ein weiches, gerichtetes Licht formen. Erst durch diesen Eingriff bekam das Bild die Tiefe und das filmische Flair, das ich gesucht habe. Es ist die Kombination aus dem weichen Licht im Vordergrund und dem unfassbar cremigen Bokeh des 110mm Objektivs im Hintergrund.

„Mein Gott, da gestochen scharf und der Rest cremig weich. Das ist einfach krass. Mega gut. Träumchen.“

Das war übrigens Sarathustras Reaktion, als sie die Bilder auf dem Display gesehen hat. Und genau wegen solcher Momente liebe ich die Porträtfotografie. Wenn das Model sich selbst sieht und einfach nur fasziniert ist von dem Look, den wir gemeinsam kreiert haben.

Der ultimative Autofokus-Stresstest und eiskalte Realitäten

Zum Ende des Shootings wollte ich es aber noch einmal genau wissen. Statische Porträts sind die eine Sache, aber wie reagiert der Autofokus der GFX100Sii, wenn Bewegung ins Spiel kommt? Bei Mittelformat und Blende 2.0 ist der Schärfebereich hauchdünn. Bewegt sich das Model auch nur einen Zentimeter vor oder zurück, liegt die Schärfe plötzlich auf den Haaren statt auf den Augen.

Wir haben Sarathustra also gebeten, als chinesische Hofdame durch den Frühlingsgarten zu lustwandeln. Kein leichtes Unterfangen, vor allem, weil es an diesem Tag knackig kalt war. Vergesst nicht die Realität hinter diesen magischen Bildern! Während alles sommerlich, warm und blumig aussieht, kämpfen Modelle oft mit den Elementen.

„Falls ihr übrigens hier irgendwie so ein nervöses Eichhörnchen seht, das ist Sarathustra, weil die Körpertemperatur von ihr ist, glaube ich, gerade unter 0°… Modelle werden manchmal auch gut strapaziert.“

Die Auswertung des Fokus-Tests habe ich dann später in Ruhe am großen Studio-Monitor in Lightroom gemacht. Auf dem kleinen Kameradisplay sieht oft alles scharf aus, aber bei 100 Megapixeln verzeiht das Bild im Nachhinein keinen Fehler. Das Ergebnis? Schaut es euch im Video an! Es gab tatsächlich einige Bilder, bei denen der Fokus nicht zu 100 Prozent auf der Pupille lag, sondern sich eher die Wimpern oder Haare gegriffen hat. Es ist und bleibt eine anspruchsvolle Diva, diese Kamera.

Fazit: Manchmal muss man einfach loslassen

Was nehme ich (und hoffentlich auch ihr) von diesem Tag mit?

  • Passt euch der Location an: Keine Kirschblüten? Nehmt die Magnolien. Harte Sonne? Macht Silhouetten draus oder blockt das Licht ab.
  • Technik ist großartig, ersetzt aber kein Gefühl: Die Fuji liefert eine geniale, cinematische Bildqualität, aber man muss sie zu bändigen wissen. Sie zwingt einen, bewusster zu fotografieren.
  • Wertschätzung fürs Model: Wenn jemand bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt lachend in einem seidenen Kleid durch den Park spaziert, dann ist das Professionalität pur. Danke noch mal, Sarathustra!

Schaut euch unbedingt das Video oben an, um die Outtakes, die echte Stimmung hinter den Kulissen und natürlich die finalen Bild-Ergebnisse zu sehen. Die Bilder, in denen die Welt im Hintergrund einfach zu einem cremigen Traum verschwimmt, müsst ihr mit eigenen Augen gesehen haben.

Wie seht ihr das? Habt ihr schon mal mit Mittelformat gearbeitet oder nutzt ihr lieber das unkomplizierte Vollformat für schnelle Autofokus-Sitzungen? Lasst mir gerne einen Kommentar unter dem Video bei YouTube da! Und wenn ihr Fragen zur Kamera habt, Sarathustra wird euch vermutlich als Erste antworten – sie hat sich an diesem Tag nämlich ein bisschen in die Fuji verliebt.

Bis zum nächsten Mal, bleibt kreativ und lasst das Licht für euch arbeiten.
Tschüss und bis bald,
Ortwin

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