Hallo Freunde der Fotografie, willkommen hinter den Kulissen!

Ich nehme euch heute mit in unser Studio, oder wie wir es nennen: ins Hausen. Schaut mal, manchmal drückt man nicht einfach nur auf den Auslöser, um ein hübsches Gesicht abzulichten. Manchmal will man eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte von Texturen, von absoluter Dunkelheit und von einem Material, das auf den ersten Blick überhaupt nichts in einem Modeshooting zu suchen hat. Heute zeige ich euch ein Portrait-Shooting der etwas anderen Art – und ja, es wird ein bisschen schmutzig.

Wir haben heute Sarathustra vor der Kamera. Sie ist nicht nur ein fantastisches Model, sondern auch Designerin für EMF Corsets. Eigentlich macht sie unglaubliche Korsetts und Jacken, aber sie hat jetzt etwas Neues entworfen: einen unfassbar coolen BH aus echtem Leder mit faszinierenden Farbverläufen. Und wenn man so ein besonderes Stück vor der Linse hat, dann muss das Licht-Setup genauso einzigartig sein wie das Design selbst.

Set 1: Schwarz auf Schwarz auf Schwarz – Die Magie der Schatten

In der Studiofotografie neigen viele dazu, einfach alles hell zu machen. Aber für mich ist Licht nur dann spannend, wenn es auch Schatten gibt. Licht ist ein emotionales Werkzeug. Schatten erzählen die Geschichte, die das Licht offenlässt. Für unser erstes Set-up haben wir uns von den Farbverläufen des Leder-BHs inspirieren lassen und uns für eine ganz bestimmte, sehr reduzierte Bildsprache entschieden.

Wir haben einen schwarzen Hintergrund, wir haben unsere beiden Abschatter in Schwarz… also schwarz, schwarz, schwarz, das erste Bild.

Was bedeutet das konkret? Sarathustra trägt einen schwarzen Pullover, der den schwarzen Hintergrund quasi verschluckt. Um sicherzugehen, dass absolut kein Streulicht diesen tiefschwarzen Hintergrund aufhellt, habe ich große schwarze Moltons – sogenannte Abschatter oder Negativ-Fills – aufgestellt.

Wie man schwarzes Leder inszeniert

Das Hauptaugenmerk liegt ganz auf dem BH und dem Gesicht. Dafür habe ich ein Striplight positioniert. Ein Striplight ist fantastisch für solche Einsätze, aber man muss aufpassen: Setzt man es zu weit an die Seite, gehen die Konturen in der Mitte des Körpers verloren. Also musste es leicht von der Seite, aber doch von vorne kommen, um die Struktur des Leders herauszuarbeiten. Zur Aufhellung der tiefsten Schatten kam dann noch mein Fokusreflektor von oben zum Einsatz – ganz subtil auf mittlerer Stellung, nur ein Hauch von Licht, der die Körperform formt.

Fotografiert habe ich hier ganz pragmatisch mit meinem 24-120mm Objektiv auf Blende 5.6. Bei solchen Studioaufnahmen brauchen wir kein cremiges Bokeh mit Blende 1.4 – wir brauchen knackscharfe Strukturen und eine gewisse Tiefe im Bild. Und ich sage euch: Das Ergebnis ist pures Ninja-Styling. Der BH leuchtet förmlich aus der Dunkelheit heraus.

Das zweite Set: Die Eskalation mit der Latexfarbe

Wer mich kennt, weiß, dass ich es liebe, aus der Komfortzone auszubrechen. Schön und sauber ist gut, aber manchmal braucht ein Bild das gewisse Etwas. Einen Kontrast, der den Betrachter förmlich festhält. Für das zweite Set hatten wir eine absolut verrückte Idee.

Ich habe für Latexfarbe gesorgt… das ist herkömmliche Baumarkt-Latexfarbe, mit der man normalerweise die Wand macht. Wir lassen sie einfach von oben über den Körper rüber rennen.

Stellt euch das vor: Sarathustra trägt ein strenges Korsett-Halsband. Darunter die nackte Haut. Und genau dort, vom Kragen abwärts, lassen wir weiße, zähflüssige Wand-Latexfarbe herunterlaufen. Es entsteht ein so absurder, aber genialer Kontrast zwischen der weichen, lebendigen Haut, dem harten schwarzen Kragen und dieser künstlichen, weißen Masse, die sich wie eine zweite Haut über den Körper legt.

Vorbereitung ist alles (vor allem für den Studio-Boden)

Wenn ihr sowas in eurem Studio nachmacht: Deckt den Boden ab! So sehr ich kreative Zerstörung in meinen Bildern liebe, so wenig Lust habe ich, am nächsten Tag den Holzboden komplett abzuschleifen. Eine einfache Malerfolie, unter den Lampenstativen festgeklemmt, hat uns hier den Tag gerettet.

Eine coole kleine Behind-the-Scenes-Story: Die Farbe exakt so zu platzieren, dass sie organisch, aber dennoch ästhetisch wirkt, ist gar nicht so einfach. Sarathustra hatte sich eingezeichnet, wo die Farbe langfließen soll, damit das Halsband nicht eingesaut wird. Was ihr im finalen Bild natürlich nicht seht: Ich stand hinter ihr und habe gleichzeitig fotografiert und einen Spiegel für sie gehalten, damit sie das Tropfen der Farbe selbst kontrollieren konnte. Das ist echte Teamarbeit!

Cinematisches Licht für krasse Texturen

Wenn man so eine krasse Textur wie verlaufende, antrocknende Latexfarbe auf der Haut hat, muss das Licht mitspielen. Das eher frontale Licht aus dem ersten Set hätte die Plastizität der Farbe völlig plattgemacht.

Deshalb habe ich das Striplight beim Latex-Set deutlich weiter an die Seite gerückt. Schräges, hartes Licht sorgt dafür, dass jede einzelne Erhebung, jeder Tropfen, jede noch so kleine Falte einen starken Schatten wirft. Genau hier wird aus Fotografie plötzlich Skulptur. Das Licht fungiert als Skalpell, das die dreidimensionalen Züge der fließenden Farbe aus der Dunkelheit herausschneidet. Das ist es, was ich mit cinematischer Bildsprache meine: Wir fotografieren nicht nur ab, was da ist. Wir erschaffen durch die gezielte Setzung von Licht und Schatten eine ganz eigene Realität, eine fühlbare Stimmung.

Fazit: Habt Mut zum Unkonventionellen!

Dieses Shooting war eine wilde Fahrt. Vom eleganten, minimalistischen Black-on-Black-Setup bis hin zur kreativen Sauerei mit Farbe aus dem Baumarkt. Es beweist einmal mehr: Ihr braucht nicht immer teure Requisiten oder die neuste Kamera, um fesselnde Bilder zu machen. Ihr braucht eine Idee, den Mut, sie umzusetzen, und ein Verständnis dafür, wie Licht und Schatten zusammenwirken.

Ein kurzes, interessantes und hartes Shooting. Sarathustra muss sich wahrscheinlich lange wieder davon reinigen.

Und ja, das Säubern von Sarathustra möchte ich euch und mir an dieser Stelle nicht antun. Das gehört zum Handwerk hinter den Kulissen eben dazu! Wenn ihr sehen wollt, wie das Set-up genau aussah und wie das flüssige Latex auf der Haut wirkt, dann schaut euch unbedingt das Video oben an.

Hat euch dieser Blick hinter die Kulissen gefallen? Wenn ihr auch Lust auf solche verrückten Ideen habt und miterleben wollt, wie wir im Studio oder on Location Geschichten in Licht tauchen, dann lasst gerne ein Abo da. Experimentiert in euren eigenen Shootings, spielt mit Texturen, baut euch ein „Schwarz, Schwarz, Schwarz“-Set auf und schaut, was passiert.

Wir sehen uns beim nächsten Mal. Lasst großartiges Licht in eure Bilder. Bis dann und tschüss!

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