Willkommen in der Dunkelheit: Ein Halloween Shooting der besonderen Art

Hallo Fotografie-Freunde und mal wieder willkommen hier auf meinem Kanal! Schaut mal, wir haben fast Halloween, und was liegt da näher, als euch auf eine kleine, düstere Reise mitzunehmen? Ich liebe es, im Studio Welten zu erschaffen, und heute wird es blutig, neblig und so richtig fies. Ich nehme euch mit hinter die Kulissen unseres neuesten Monster-Shootings.

Ich habe wie so oft die großartige Sandra dabei. Und wer das Video schon gesehen hat, weiß: Diesmal haben wir sie ordentlich zugerichtet. Ein fehlendes Auge, Kunstblut, Mullbinden und eine ordentliche Portion Gänsehaut. Genau das ist es, was Studiofotografie für mich ausmacht. Es geht nicht nur darum, jemanden hübsch auszuleuchten. Es geht darum, eine Geschichte zu erzählen. Und heute ist diese Geschichte eben ein bisschen abgründiger.

Licht ist Emotion – und Schatten formt das Monster

Wenn wir über ein Halloween Shooting sprechen, dann sprechen wir eigentlich über Schatten. In der normalen Peoplefotografie versuchen wir oft, alles weich und schmeichelhaft zu machen. Heute machen wir das Gegenteil. Wir brauchen tiefes Schwarz, um das wenige Licht umso gefährlicher wirken zu lassen.

Ich habe für das erste Set ein sehr gezieltes, hartes Licht aufgebaut. Ein Blitz mit einem 10-Grad-Grid von hinten formt nur leicht den Hintergrund, damit Sandra nicht im kompletten Nichts absäuft. Vorne habe ich mit einem 20-Grad-Grid angefangen, bin dann aber schnell auf ein 30-Grad-Grid gewechselt. Warum? Weil das Licht im Gesicht zwar toll war, aber Sandras fantastische Corsage komplett im Dunkeln verschwand. Genau das ist der Prozess: Schauen, fühlen, anpassen. Das Licht muss die Geschichte unterstützen. Und ganz ehrlich: Dieses Set könnt ihr problemlos auch mit zwei einfachen LED-Lampen zu Hause nachbauen. Raum abdunkeln, Licht gezielt setzen – fertig ist der düstere Look.

Ein kleiner, aber wichtiger Tipp am Rande, wenn ihr mit solchen Spezialeffekten arbeitet:

„Tipp von mir: Wenn ihr mit Kunstblut oder sowas arbeitet, probiert es lieber selber an euch aus, bevor ihr das dann nachher auf dem Model schmiert und dann feststellt: Oh, war doch nicht so gut.“

Das bösartige Theaterlicht: Perspektive ändert alles

Nach den ersten starken Porträts wollte ich noch einen Schritt weiter gehen. Ich habe ein Bodenstativ genommen und den Blitz direkt von unten auf Sandra gerichtet. In der Fotografie nennen wir das gerne „Monsterlicht“ oder klassisches Theaterlicht. Warum wirkt das so unheimlich? Weil unser Gehirn es nicht gewohnt ist. Die Sonne scheint von oben, unsere natürlichen Lampen strahlen von oben. Wenn Licht plötzlich von unten kommt, werfen Nase und Wangenknochen Schatten nach oben in Richtung der Augen. Die Augenhöhlen werden oft dunkel, das Gesicht wirkt hart und verzerrt. Es ist ein ganz einfacher Trick, der aber eine unglaubliche emotionale Wucht hat. Zwei Blenden heller eingestellt, Model etwas vorbeugen lassen – und bäm, das pure Halloween-Feeling!

Cinematische Bildsprache: Frosted Glass und die Psychologie der Distanz

Für das zweite Set habe ich eines meiner Lieblingstools herausgeholt: die gefrostete Scheibe (frosted glass). Vielleicht erinnert ihr euch noch an Shootings, wo ich das schon mal eingesetzt habe. Wenn ihr ein Model hinter so eine milchige Scheibe packt, kreiert ihr sofort eine Distanz. Es wirkt, als wäre die Person gefangen, als würde man sie durch ein trübes Fenster betrachten. Die Hände, das Blut an den Fingern, die gegen die Scheibe drücken – das erzeugt Bilderöffnungen, die direkt aus einem Horrorfilm stammen könnten.

Aber so gruselig es auf den Bildern aussieht, am Set haben wir Tränen gelacht. Sandra ist einfach ein Profi. Obwohl sie halbnackt hinter der kalten Scheibe stand und wir ihr das halbe Gesicht zugeklebt haben:

„Wie fühlst du dich? Ein bisschen kalt, ein bisschen wenig Kreislauf, aber sonst ist alles gut. Vor allen Dingen, hört ihr, wie freundlich sie dabei ist? Also echt toll, ich behandle Frauen anscheinend gar nicht mal so schlecht hier im Studio!“

Set 3.5: Blaues Licht, Nebel und der Mut zum Chaos

Zum Schluss (ich nenne es Set 3,5) haben wir das Studio dann komplett auf den Kopf gestellt. Wir haben eine blaue Folie vor den Hintergrundblitz geklebt, um einen geisterhaften, kalten Kontrast zu erzielen. Und dann kam die Nebelmaschine zum Einsatz.

Hier zeige ich euch einen wichtigen Unterschied: Ich nutze keinen schweren Bodennebel, sondern eher einen „Haze“, also einen diffusen Nebel. Der legt sich wie eine leichte Decke in den gesamten Raum, ähnlich wie London im Herbst. Was passiert dann mit dem Licht? Der Nebel macht das Licht sichtbar. Die Lichtstrahlen brechen sich in den feinen Partikeln, und plötzlich ist der ganze Raum ein Leuchtkörper. Wir haben kaum noch etwas gesehen, die Kamera hatte zu kämpfen, aber wenn Sandra dann wie ein Geist langsam aus diesem Nebel nach vorne tritt… das sind die Momente, für die ich die Fotografie liebe.

Warum Technik nicht alles ist

Im Video erwähne ich kurz meine Kameraeinstellungen: ISO 100, Blende 4,6 und eine 160stel Sekunde. Aber ich sage es euch hier genauso ehrlich wie im Video: Das nützt euch alles nichts! Euer Raum ist anders, eure Blitze sind anders, euer Abstand zum Model ist anders. Wenn ihr anfangt, euch stur an Zahlen zu klammern, verliert ihr die Seele des Bildes.

Fotografiert mit dem Auge, nicht mit dem Datenblatt. Schaut euch an, wie das Licht fällt. Ist der Schatten zu hart? Ist das Set zu hell? Fehlt die Dramatik? Ein gutes Bild entsteht nicht durch die perfekte Blende, sondern durch die Stimmung, die ihr am Set aufbaut.

Fazit: Ausgeblutet und geräuchert

Es war ein wahnsinnig intensives Shooting. Am Ende meinte ich nur:

„Wir sind durch. Wir sind ausgeräuchert und ausgeblutet und geräuchert.“

Genau so muss sich ein kreativer Tag im Studio anfühlen! Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig inspirieren, auch mal die dunklen, unkonventionellen Pfade der Fotografie zu betreten. Es muss nicht immer Fashion und Beauty sein – manchmal ist ein gut gesetztes Kunstblut und ein hartes Licht von unten genau das, was die kreativen Batterien wieder auflädt.

Schaut euch unbedingt das komplette YouTube-Video oben an, um die Entwicklung der Bilder in Echtzeit zu sehen und die witzige Dynamik zwischen Sandra und mir mitzuerleben. Traut euch ans Licht, traut euch in den Schatten!

Wenn ihr Fragen habt, Konzepte diskutieren wollt oder einfach nur ein paar gute Ideen für euer eigenes Halloween-Shooting braucht: Schreibt es in die Kommentare unterm Video. Und wie ich im Video schon so schön gesagt habe: Lasst gerne ein Auge da! Sandra hat nämlich gerade keins mehr.

Bleibt blutig, bleibt kreativ und bis zum nächsten Mal,
Euer Ortwin!

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