Willkommen im kreativen Wahnsinn: Licht, Schatten und eine schwarze Gummiente

Hallo Freunde der Fotografie! Ich nehme euch heute mit hinter die Kulissen eines Shootings, das mal wieder beweist: Fotografie ist so viel mehr als nur das Drücken eines Auslösers. Es ist Kommunikation, es ist das Spiel mit dem Unbekannten, und vor allem ist es die Kunst, mit Licht eine Geschichte zu malen.

Schaut mal, wir alle kennen diese typischen „Instagram Booths“. Räume, die vollgestopft sind mit knalligen Requisiten, Blumenwänden und verrückten Kulissen. Oft geht man da rein, hält die Kamera drauf und hat bunte, aber irgendwie flache Bilder. Aber wer mich kennt, der weiß: Ich gebe mich nicht mit dem vorhandenen Raumlicht zufrieden. Ich will Atmosphäre. Ich will Tiefe. Ich will einen cinematischen Look kreieren, der das Model nicht einfach nur ablichtet, sondern inszeniert.

Für dieses Video hatte ich die wunderbare Mathüstra vor der Kamera. Unser Plan? Zwei völlig unterschiedliche Sets, zwei völlig unterschiedliche Lichtstimmungen. Von dunkler 20er-Jahre-Melancholie bis hin zu Quietschgelb, Lack, Latex und – ja, ihr habt richtig gelesen – einer schwarzen Gummiente.

Set 1: Der goldene Käfig und das Marlene-Dietrich-Licht

Wir starteten in einem Set, das wie ein überdimensionaler Vogelkäfig aussah, umgeben von unzähligen Blumen. Bevor ich überhaupt den Blitz in die Hand nehme, spreche ich mit meinem Model. Ich frage sie: „Wie hättest du es gerne? Wo willst du hin?“ Fotografie ist Teamwork, ein kreativer Sparringskampf.

„Ich würde sagen, sehr dramatisch hart von oben runter.“

Mathüstra wusste genau, was sie wollte. Und ich liebte die Idee! Wenn das Licht sehr steil von oben kommt, erzeugen wir tiefe Schatten in den Augenhöhlen und unter dem Kinn. Manche Fotografen meiden das wie der Teufel das Weihwasser, weil es „unvorteilhaft“ sein kann. Aber wir wollten Charakter, keine glattgebügelte Beauty-Retusche. Mathüstra hatte sich im 20er-Jahre-Stil geschminkt, da passt dieses klassische, fast schon schroffe Licht perfekt. Es erinnert an den alten Hollywood-Glamour, oft auch Marlene-Dietrich-Licht genannt.

Mein erster Schritt im Studio: Das Raumlicht komplett töten. Ich gehe also auf ISO 100 und schließe die Blende, bis das Bild fast schwarz ist. Meine Leinwand ist jetzt leer. Dann kommt mein Blitz ins Spiel.

Wir haben in diesem Set viel experimentiert. Wir haben den Grid (die Wabe) entfernt und auch die Diffusorfolie herausgenommen. Warum? Weil ich ein Licht wollte, das zwar das ganze Set ausleuchtet, aber trotzdem eine gewisse Härte behält. Ein großes Problem bei so blumenüberladenen Hintergründen ist die Separierung. Wie hebe ich das Model vom Chaos ab? Meine Lösung: Ein Objektivwechsel. Ich bin von 60mm auf 120mm Brennweite gegangen, um den Hintergrund in die Unschärfe zu drücken und Mathüstra optisch freizustellen.

Die Philosophie des Schattens

Lasst mich hier kurz philosophisch werden. Viele Fotografen haben Angst vor Schatten. Sie ballern alles mit Softboxen zu, bis das Bild hell, freundlich und völlig leblos ist. Aber Schatten sind das, was unseren Bildern Seele einhaucht. Der Schatten formt das Gesicht, er definiert die Wangenknochen, er erzeugt Geheimnisse.

In unserem ersten Set hatten wir den Käfig, der seine eigenen Schatten auf Mathüstras Gesicht warf. Anstatt das wegzublitzen, haben wir es umarmt. Das Licht entscheidet, wer wir auf einem Foto sind. Sind wir der strahlende Held? Oder die mysteriöse Gestalt im Dunkeln? Eure Lichtsetzung ist euer emotionales Werkzeug – nutzt es!

Set 2: Die gelbe Badewanne, harter Kontrast und absolute Verwirrung

Nach düster und melancholisch brauchten wir einen kompletten Tapetenwechsel. Im nächsten Raum wartete eine knallgelbe Badewanne auf uns. Mathüstras Outfit-Wechsel: Ein unfassbar cooles Lack- und Latex-Outfit. Und natürlich unser heimlicher Stargast: Die schwarze Gummiente.

Hier mussten wir komplett umdenken. Zartes oder düsteres Licht hätte hier nicht funktioniert. Dieses Set schrie nach Pop-Art, nach knalligen Farben und harten Kanten.

„Was wichtig noch wäre ist, dass auf jeden Fall der Hintergrund schon hell sein muss, damit das Gelb auch richtig knallt.“

Genau das war die Vorgabe. Ich nahm meinen AD400 Blitz, riss wieder alle Diffusorfolien raus und verzichtete auf den Grid. Ich wollte rohes, recht hartes Licht. Wenn das Licht hart auf ein glänzendes Material wie Latex trifft, entstehen fantastische Spitzenlichter (Highlights), die die Textur des Materials erst richtig lebendig machen. Ein weiches Licht hätte das Latex stumpf und langweilig aussehen lassen.

Fotografieren in einer Badewanne ist übrigens gar nicht so einfach, weder für das Model noch für den Fotografen. Man muss auf engem Raum Posen finden, die dynamisch aussehen. „Mach mal den linken Fuß lang… über Kreuz… Oberkörper etwas nach rechts… nein, anderes rechts!“

„Entschuldigung… links. Ich weiß schon nicht mehr, wo links und wo rechts ist. Diese Frau verwirrt mich!“

Das sind genau die Momente, die ein Shooting lebendig machen. Wenn man vor lauter Konzentration auf Licht, Winkel, Blende und Komposition die simpelsten Dinge wie Links und Rechts vergisst. Aber genau diese lockere Stimmung am Set sorgt am Ende für authentische, starke Bilder. Man muss als Fotograf den Raum schaffen, in dem das Model sich wohlfühlt und experimentieren kann.

Fazit: Macht euer eigenes Licht!

Was könnt ihr aus diesem Video und diesem Shooting mitnehmen? Verlasst euch nicht auf das, was euch eine Location vorgibt. Eine Instagram Booth ist nur eine leere Bühne. Ob das Stück darauf ein Drama, ein Thriller oder Pop-Art wird, entscheidet allein ihr mit eurem Licht.

Traut euch an harte Lichtquellen heran. Traut euch, den Raum dunkel zu machen und das Licht gezielt dorthin zu setzen, wo ihr es haben wollt. Lernt eure Blitze kennen, nehmt die Diffusoren raus, spielt mit der Brennweite eurer Objektive, um Hintergründe verschwinden oder wirken zu lassen.

Und vor allem: Redet mit euren Models. Entwickelt gemeinsam eine Vision. Fotografie ist nicht Technik, Fotografie ist ein Gefühl, das durch Technik sichtbar gemacht wird.

Wenn ihr genau sehen wollt, wie das Set aussah, wie Mathüstra in der Badewanne performt hat und wie die Bilder direkt aus der Kamera – unfassbar krass beleuchtet – aussahen, dann schaut euch unbedingt das Video oben an. Da seid ihr quasi live mit dabei.

Lasst mir gerne einen Kommentar unter dem Video da, welches der beiden Sets (Düsterer Käfig oder Gelbe Latexfantasie) euch besser gefallen hat. Bis zum nächsten Mal, bleibt kreativ und denkt dran: Euer Licht, eure Geschichte!

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