Willkommen im Neon-Dschungel: Wenn dich eine Stadt einfach überrollt

Ich nehme euch heute mit auf den 13. Tag unserer Reise. Um ehrlich zu sein: Wir mussten uns an diesem Morgen in Hongkong erst einmal hinsetzen, durchatmen und unsere Gedanken sortieren. Wenn du mit der Kamera durch Asien ziehst, durch diese unglaublich dichten, lauten, pulsierenden Metropolen, dann saugst du so viele Eindrücke auf, dass dein interner Speicher irgendwann einfach voll ist.

Die ganze Reise ist davon gezeichnet, dass wir so viel hintereinander erleben, dass wir schon gar nicht mehr wissen, wo wir wie, wann wo waren.

Hongkong ist ein Biest. Ein wunderschönes, raues, unzensiertes Biest. Und genau das macht es für mich als Fotografen so faszinierend. Es geht nicht um die perfekten Postkartenmotive mit blauem Himmel. Gestern stand Regen auf dem Programm – aber wisst ihr was? Regen in einer asiatischen Millionenmetropole ist ein Geschenk für jeden, der cinematische Bildsprache liebt. Die Straßen spiegeln die Neonreklamen, die Menschen verkriechen sich unter bunten Schirmen, das Licht bricht sich in den Pfützen. Das ist Storytelling pur.

Zwischen Hundeschuhen und meinem absoluten Lieblingsort in Hongkong

Wenn das Wetter draußen ungemütlich wird, zieht man sich nach drinnen zurück. Wir haben verschiedene Malls und Märkte erkundet, darunter „The Mills“, einen Mix aus Kunsthandwerk und… nun ja, Hunden. Es gab dort wirklich alles für Haustiere. Hundeschuhe, Hundekleidung – fast wie Disney-Prinzessinnen-Ausstattungen für Vierbeiner. Skurril, aber auch das ist Streetlife.

Doch mein persönliches Highlight, der absolute Sehnsuchtsort für jeden, der in Bildern denkt und lebt, kam danach. Sandra und Uwe haben es im Video schon verraten: Der Fuji Flagship Store und das Gebäude namens „Sim City“.

Schaut mal, stellt euch ein dreistöckiges Gebäude vor. Und auf jeder verdammten Etage gibt es 20 bis 25 Shops. Dort gibt es nicht einfach nur Technik, dort gibt es reines kreatives Potenzial. Neue Kameras, gebrauchte Schätze, Voigtländer, Leica, absurde Mengen an Filtern, Taschen, Zubehör. Die Preise bei Neuware lagen teilweise 20 % unter den deutschen – da schlägt das Herz schneller. Ich bin niemand, der sich in Megapixeln verliert. Kameras sind für mich Werkzeuge, um Emotionen greifbar zu machen. Aber wenn du durch diese Gänge läufst, fühlst du dich wie ein Kind im Süßwarenladen. Ein Muss für jeden Fotografen, der Hongkong besucht!

Die Kraft der Stille: Wie ich auf dem Markt meine Stimme verlor (und es feierte)

Auf dem berühmten Ladies Market habe ich wieder etwas gelernt, was man in einem Lehrbuch über Street Photography so nicht findet. Die Verkäufer dort können sehr anhänglich sein. Fotografisch ist das oft anstrengend. Die Menschen wollen Geschäfte machen, nicht das Motiv für meine Kamera sein. Und wenn du filmst und fotografierst, bist du sowieso schon ein wandelnder Fremdkörper.

Aber ich hatte ein Ass im Ärmel, ohne es geplant zu haben: Ich war heiser. Ich hatte meine Stimme verloren.

Wenn uns Verkäufer aggressiv etwas anddrehen wollten, habe ich einfach auf meinen Hals gezeigt und gestikuliert, dass ich nicht sprechen kann. Der Effekt? Magisch! Die Leute sind sofort weggegangen. Als hätte ich den Aussatz. Das war ein herrliches Experiment: Manchmal ist absolute Stille der beste Weg, um sich Freiraum für das nächste Motiv zu schaffen. Weniger reden, mehr beobachten. Lasst die Augen arbeiten, nicht den Mund.

Licht und Schatten: Das unzensierte Leben der Metropole

Aber Hongkong hat nicht nur bunte Märkte und High-End-Kamerastores. Zur Wahrheit dieser Stadt gehören tiefe, harte Kontraste. Wir tauchen im Video auch in die dunkleren Ecken ein und lernen etwas über die krasse Wohnsituation. Sogenannte „Subdivided Units“, wo sich Familien winzigste Räume teilen, wo Abwasserrohre aus Toiletten und Küchen zusammenlaufen, weil der Raum fehlt. Die Immobilienpreise werden künstlich hochgehalten, um Steuern zu generieren – das ist die bittere Realität, die das System am Laufen hält.

Als Fotograf, als Storyteller, musst du sowas sehen. Du kannst nicht nur das glänzende Neonlicht feiern; du musst auch verstehen, in welche engen, dunklen Gassen dieses Licht nicht vordringt. Die Schatten erzählen oft die wahrhaftigeren Geschichten als das harte Rampenlicht am Hafen.

Kulinarischer Absturz und kulturelle Hürden

Wer durch China reist, gewöhnt sich an ungewohntes Essen. Wir haben auf der Reise alles probiert, von verrückten süßen Suppen bis hin zu unbekannten Spezialitäten – und unsere Mägen haben alles mitgemacht. Doch dann kam der Varianzen-Bruch in Hongkong.

Da reist man durch ganz China durch, hat kein Problem und dann kommt man in den englischen Bereich und man hat Probleme, jedenfalls wir beide. Bis auf Aussehen war alles andere miserabel.

Wir gönnten uns ein „English Breakfast“ in einem stylischen Laden. Teuer, miese Bedienung, die nicht mal bis drei zählen konnte, als es um Wassergläser ging – und das Ende vom Lied? Eine hektische Suche nach der nächsten öffentlichen Toilette für Uwe und mich. Manchmal lauert die Gefahr eben nicht in der Garküche an der Straße, sondern im durchdesignten Touristen-Café.

Lamma Island: Die Flucht vor dem Lärm

Gegen Ende des Tages brauchte ich einen Bruch. Ich habe mich von Uwe und Sandra getrennt und die Fähre nach Lamma Island genommen. Und hier offenbarte sich eine weitere spannende, unzensierte Erkenntnis dieser Reise: Der tiefe kulturelle Graben zwischen Hongkong und dem Festland-China.

Ich wollte den Weg zur Fähre auf einer chinesischen Map-App navigieren. Als ich Helfer vor Ort fragte, blockten diese völlig ab. Sie nutzen diese Apps nicht, sie lesen sie nicht, sie lehnen sie schlichtweg ab. Erst als auf Google Maps gewechselt wurde, lüftete sich der Knoten. Hongkong ist eben nicht China – jedenfalls nicht in den Köpfen der Hongkonger. Solche kleinen Risse in der Gesellschaft spürt man nur, wenn man sich auf die Straße begibt und mit den Menschen agiert.

Die Fährfahrt selbst war dann pure Erholung. Auf Lamma Island herrscht ein ganz anderer Vibe. Kein Stress, keine Hochhäuser, die dich erdrücken. Einfach relatives Schweigen, Natur und Wasser. Auch wenn ich nur eine knappe halbe Stunde Zeit hatte, bevor ich den Rückweg zum Entenessen antreten musste – dieses kurze Insel-Abenteuer war der perfekte visuelle und emotionale Gegenpol zur Hektik der Stadt. Und ganz nebenbei gab es noch ein spontanes, nettes kleines Interview auf der Fähre, als ich auf meine Kamera angesprochen wurde. Es sind diese ungeplanten, menschlichen Momente, für die wir das alles machen.

Fazit: Das Ende unserer China-Reise

Dieser 13. Tag in Hongkong war so voll, so intensiv und so gegensätzlich, dass er stellvertretend für unsere gesamte Streetlife-Erfahrung in Asien steht. Von der Reizüberflutung in Kamerastores über Magenverstimmungen, tiefe Einblicke in brutale Immobilienmärkte bis hin zur stillen Insel-Flucht.

Schaut euch unbedingt das Video oben an. Dort seht ihr die ungeschönte Realität, ihr erlebt mit uns diesen irren Tag und ihr bekommt einen kleinen Ausblick darauf, dass diese epische Reise sich leider dem Ende zuneigt. Begleitet uns durch die Straßen, lernt mit uns, wie man mit Licht, Schatten und all den menschlichen Hürden dazwischen umgeht.

Wir sagen für heute: Bis morgen. Bleibt kreativ, sucht eure eigenen Motive und lasst euch nicht von harten Kontrasten abschrecken – weder im Leben noch in eurer Kamera. Euer Ortwin.

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner