Willkommen im Schlafzimmer – Teil 3 unseres Airbnb-Shootings

Hallo Freunde der Fotografie und willkommen zurück! Ich nehme euch heute mit in den dritten und finalen Teil unseres großen Boudoir Shootings in Warendorf. Wenn ihr den ersten und zweiten Teil gesehen habt, wisst ihr: Wir haben schon ordentlich experimentiert. Im ersten Teil ging es um harte, markante Looks mit dem Beauty Dish, im zweiten Teil haben wir uns mehr in Richtung klassischer Playboy-Ästhetik bewegt. Aber jetzt, im dritten Teil, wird es richtig intim. Wir gehen ins Schlafzimmer.

Und hier mache ich etwas, das für viele Fotografen vielleicht ungewohnt ist: Ich lasse die Bilder so, wie sie sind. Alle Aufnahmen, die ihr in diesem Video seht, sind praktisch „out of the cam“. Kein langes Retuschieren, keine aufwendige Photoshop-Orgie. Höchstens mal ein kleiner Beschnitt, wenn irgendwo ein störendes Detail am Rand zu sehen war. Das ist mir wichtig, denn es geht hier um Authentizität. Ich will euch zeigen, was direkt vor Ort passiert, wenn man sich auf das Gefühl, das Licht und den Moment einlässt.

Warum ich den Blitz ausgeschaltet habe: Licht ist pure Emotion

Schaut mal, wir Fotografen klammern uns oft an unsere Studioblitze. Aber als ich mit Model Lisa in diesem Schlafzimmer stand, wusste ich sofort: Ein Blitz würde die Magie dieses Raumes komplett zerstören. Die Stimmung, die Farben, diese warme Atmosphäre in dem Airbnb – all das lebt von der Sanftheit des vorhandenen Lichts.

Also habe ich komplett umgebaut. Keine harten Blitze mehr. Stattdessen haben wir eine wunderbare cinematische Stimmung mit Available Light und gezielt gesetzten LED-Lichtern kreiert. Das Setup war dabei so simpel wie effektiv:

  • Ich habe eine der atmosphärischen Lampen im Raum etwas vorgeschoben, um das Bett ins richtige Licht zu tauchen.
  • Draußen vor dem Fenster standen zwei LED-Lichter.
  • Der Clou: Vor einer dieser LEDs stand eine Pflanze.

Warum die Pflanze? Genau hier fängt das Storytelling an! Das harte LED-Licht von draußen wirft den Schatten der Blätter direkt auf die Wand hinter dem Bett und teilweise sogar auf Lisas Gesicht. Schatten formen das Licht. Schatten erzählen Geheimnisse. Ein komplett hell ausgeleuchtetes Bild ist oft flach und langweilig, aber wenn du diese kleinen, tanzenden Schatten auf der Stirn deines Models hast, bekommt das Bild sofort Tiefe und Charakter.

Fühlen, wo das Licht ist

In der Peoplefotografie ist es extrem wichtig, dass das Model eine Verbindung zum Licht aufbaut. Ich kann mich nicht einfach hinstellen und sagen „Mach mal“. Ich muss mein Model führen. Deshalb gebe ich Lisa im Video auch diesen einen, entscheidenden Tipp, den ihr euch unbedingt merken solltet:

„Wenn du merkst, du hast Licht im Gesicht, dann bist Du richtig im Licht. Wenn du kein Licht hast, dann ist kein Licht da.“

Das klingt logisch, ist aber in der Praxis ein Gamechanger. Das Model muss die Wärme des Lichts auf der Haut spüren. Nur so findet es instinktiv die perfekten Posen, ohne dass ich jeden Millimeter der Nase korrigieren muss – wobei, ganz ohne „Nase ein bisschen nach links, Nase etwas tiefer“ geht es dann manchmal doch nicht! Aber genau dieses Zusammenspiel macht ein Shooting lebendig.

Perfektion ist langweilig: Rauschen ausdrücklich erwünscht!

Jetzt kommen wir zu einem Punkt, da sträuben sich bei vielen Technik-Freaks die Nackenhaare. Ich habe angefangen mit meiner Nikon Z7II vom Stativ zu fotografieren. Die Einstellungen? Eine 1/125 Sekunde, Blende 2.8 und ISO 2500. Das Resultat: Es wird grisselig. Es rauscht.

Aber wisst ihr was? Egal! Und als wäre ISO 2500 noch nicht genug, habe ich für den zweiten Teil des Sets meine Fuji GFX 100s2 in die Hand genommen. Ein Mittelformat-Monster. Das 45-100mm Objektiv drauf, Kamera auf Schwarz-Weiß gestellt und die ISO auf unglaubliche 12.800 hochgedreht! Aus der Hand, das Stativ nur leicht zur Unterstützung angelehnt, bei einer 1/100 Sekunde.

„Wenn ihr sagt: Klar, die Bilder rauschen, dann rauschen sie halt! Aber diese Bilder sollte man auf jeden Fall machen, weil das Model ist der Hammer.“

Wir jagen heutzutage so oft dem perfekten, cleanen, absolut scharfen Bild hinterher, dass wir das Gefühl vergessen. Ein Boudoir Shooting lebt von Intimität, von einem Hauch von Vintage, von einer gewissen analogen Rohheit. Das Korn (oder eben das ISO-Rauschen) legt sich wie ein weicher Filter über die Szene und verbindet Licht und Schatten zu einem echten Kunstwerk. Probiert es aus: Habt keine Angst vor hohen ISO-Werten, wenn die Stimmung danach verlangt!

Hinter den Kulissen: Stromausfall und fliegende Kissen

Bei einem echten Shooting läuft nie alles nach Plan. Das ist die Realität der Fotografie. Mittendrin haben sich die Lampen draußen plötzlich verabschiedet. Aber wen juckt das? Wir hatten immer noch genug Restlicht, also haben wir einfach weitergemacht. Fotografie bedeutet lösungsorientiert zu denken und sich vom Moment treiben zu lassen.

Solche Momente lockern die Stimmung auf. Genauso wie die kleinen Kissen-Schlachten, die wir zwischendurch eingebaut haben. Wenn man vier Stunden intensiv shootet – und so lange hat das gesamte Airbnb-Set gedauert –, braucht man diese Momente, in denen herzhaft gelacht wird. Ich lasse mein Model auch einfach mal mit dem Kissen knubbeln oder es werfen. Aus dieser Dynamik entstehen oft die ungeplantesten und schönsten Schüssestellungen.

Mein Fazit: Lasst die Schatten für euch arbeiten

Am Ende dieses vierstündigen Marathons waren wir alle durchgeschwitzt, glücklich und hatten fantastische, verrauschte, rohe und ehrliche Bilder im Kasten. Lisa war schon beim Blick auf das Display restlos begeistert, und das ist für mich als Fotograf der größte Lohn.

Was könnt ihr aus diesem dritten Teil mitnehmen?

  • Traut euch an Available Light und LED-Dauerlicht, auch bei Boudoir und Portrait Shootings.
  • Nutzt Schatten ganz gezielt als gestalterisches Element, nicht als Fehler.
  • Vergesst die Kameraparameter, wenn die Stimmung stimmt – ISO 12.800 in Schwarz-Weiß sieht oft besser aus als ISO 100 mit einer Blitz-Flutlichtanlage.
  • Vertraut auf die Emotion zwischen euch und dem Model.

Schaut euch das Video oben unbedingt an, um zu sehen, wie sich das Lichtspiel auf Lisas Gesicht verändert und wie wir gemeinsam diese Stimmung eingefangen haben. Lasst mir eure Gedanken da! Schreibt in die Kommentare: Was gefällt euch an den Bildern? Was hättet ihr vielleicht anders gemacht? Feiert ihr den verrauschten Schwarz-Weiß-Look genauso wie ich, oder seid ihr eher Team „clean und blitzsauber“?

Ich bin sehr gespannt auf euer Feedback. Wir sind soweit durch, ich lasse die Turteltauben jetzt mal alleine in ihrem Airbnb turteln. Wir sagen: Bis zum nächsten Mal! Tschüss und Ciao, euer Ortwin.

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