Willkommen zurück! Von harten Kontrasten zur weichen Playboy-Ästhetik
Hallo Freunde der Fotografie! Schaut mal, ich nehme euch heute wieder mit hinter die Kulissen. Wer den ersten Teil unseres TFP Shootings in diesem Wahnsinns-Airbnb in Warendorf gesehen hat, der weiß: Dort haben wir richtig mit hartem Licht gearbeitet. Der Beauty Dish war nackt, die Kontraste waren knackig, das Licht war prägnant. Aber Fotografie bedeutet für mich nicht, ein Setup aufzubauen und das dann stundenlang durchzuziehen. Fotografie ist Fluss, ist Veränderung, ist das Spiel mit Emotionen.
Im zweiten Teil dieses Dreiteilers – übrigens, Teil drei bringt uns dann später direkt ins Bett, also bildlich gesprochen – schalten wir einen Gang runter. Oder besser gesagt: Wir machen das Licht weicher, formender, sinnlicher. Es geht um eine Stimmung, die mich sofort an klassische, ästhetische Playboy-Fotografie erinnert hat. Helle, durchflutete Räume, weiche Hauttöne und eine Bildsprache, die eher cinematisch als dokumentarisch ist. Lasst uns gemeinsam schauen, wie wir diese Atmosphäre erschaffen haben.
Den Beauty Dish „kaputt machen“ – Mein Setup für zarte Laufsteg-Vibes
Wenn man ein Werkzeug hat, das für hartes Licht gedacht ist, wie macht man es weich? Man improvisiert! Ihr kennt mich, ich halte mich nicht an starre Regeln. Im Video seht ihr, wie ich das Wabenraster (den Grid) aus dem Beauty Dish nehme und ihm einfach eine „Socke“ überziehe – eine Diffusorfolie.
Das mache ich nicht so häufig, weil ich normalerweise Beauty Dish nicht kaputt mache, aber ich habe nun mal halt nichts anderes hier. Deshalb habe ich jetzt den Beauty Dish kaputt gemacht durch die Socke.
Das Resultat? Der Beauty Dish verhält sich plötzlich wie eine kleine, runde Softbox. Aber Licht allein ist nur die halbe Miete. Es geht um das Verhältnis von Umgebungslicht und Blitz. Ich wollte den Hintergrund komplett hell, fast schon ausgefressen haben. Ein Look, der Leichtigkeit ausstrahlt. Also bin ich mit der Kamera auf Blende 2.8 gegangen und habe die ISO auf 1200 hochgezogen. Ohne Blitz sah das Bild einfach nur flach und langweilig aus – hell, ja, aber ohne Tiefe. Erst als der weiche Blitz nah an unser fantastisches Model Lisa herangebracht wurde, bekam das Bild diesen dreidimensionalen, poppigen Look. Der Vordergrund ist perfekt ausgeleuchtet, der Hintergrund verschwimmt in weichem Weiß.
Posing: Zeig mir deine Form, nicht nur deine Front
Eine kleine Geschichte dazu am Rande: Wir haben in diesem hellen Setup einen kleinen „Laufsteg“ simuliert. Lisa sollte auf mich zukommen. Aber hier ist ein Fehler, den viele Modelle und Fotografen machen: Sie stehen irgendwann komplett frontal zur Kamera. Genau das nimmt dem Körper die Dynamik. Ich habe Lisa gebeten, immer leicht in einer Schrittstellung zu bleiben und sich eher aus der Hüfte zu drehen. Sobald man sich nicht mehr 90 Grad direkt zur Kamera positioniert, wirken die Formen viel eleganter und fließender. Probiert das bei eurem nächsten Boudoir Shooting unbedingt aus!
Das Playboy-Licht in der Alkove – Wenn Licht und Schatten eine Geschichte erzählen
Nach dem Laufsteg haben wir die Location im Airbnb gewechselt und etwas gefunden, das pure Magie ausgestrahlt hat: eine kleine Alkove, lichtdurchflutet, mit einer Schaukel. Als ich das gesehen habe, hatte ich direkt ein klares Bild im Kopf.
Wir haben hier so eine Alkove, lichtdurchflutet, eigentlich eine tolle Sache. Das hat mich gleich so an so eine Playboy-Fotografie erinnert und genau das habe ich aufgebaut.
Wie habe ich dieses cinematische Licht umgesetzt? Ich habe zwei Blitze kombiniert. Draußen, auf dem Balkon im Tageslicht (und leicht geschützt mit Plastik, falls es regnet), stand ein Godox AD400 mit einem Normalreflektor. Dieser Blitz feuerte durch das Fenster direkt auf Lisas Haare und hat ein wunderschönes, knalliges Haarlicht gesetzt, das sie vom Hintergrund gelöst hat. Es trennt das Model vom Raum und gibt dem Bild Tiefe.
Drinnen habe ich den Beauty Dish eingesetzt – aber nicht frontal! Ich habe ihn „gefedert“ (feathered). Das bedeutet, der Blitz zeigt nicht direkt auf das Model, sondern leicht daran vorbei. Wir nutzen nur die weiche Kante des Lichtkegels. Das gibt ein unfassbar weiches, zartes Licht auf der Haut. Obwohl draußen Tageslicht war, habe ich den Hintergrund kameraintern um etwa eine Blendenstufe abgedunkelt. Das klingt paradox in einer hellen Szene, aber genau das lässt Lisa in ihrem wunderschönen blauen Outfit so richtig magisch hervorstechen.
Ein Wort aus der Praxis: Teamwork und die verflixte Etiketten-Falle
Ein Shooting funktioniert nie im Alleingang. Es ist kein Diktat des Fotografen, sondern ein Tanz zwischen Model, Location und Licht. Lisa hatte beim Shooting noch einen sensationellen Tipp, den ich euch nicht vorenthalten möchte – denn oft sind es die kleinen Details, die ein Bild ruinieren können.
Immer wichtig: Wenn man Dessous oder irgendwie was anhat, immer den Schnippel abmachen. Weil dann guckt er entweder raus … und unter den Schuhen sollte man das auch immer abmachen. Das ist sehr, sehr wichtig!
Genau das ist es! Wie oft retuschieren wir uns stundenlang an Preisschildern oder Sohlen-Aufklebern die Finger wund? Lisas Freund, der uns im Hintergrund super unterstützt hat, war direkt zur Stelle und hat die Schutzfolien von ihren Schuhen entfernt. Solche Tipps von Modellen sind Gold wert. Genauso beim Outfit: Wir haben gemeinsam entschieden, dass das Blau perfekt zum hellen Raum passt. Lasst eure Modelle mitwirken, hört auf ihre Ideen. Das Ergebnis wird immer besser sein, als wenn ihr stur euren eigenen Kopf durchsetzt.
Schluss mit TTL – Warum ich die Kontrolle über das Licht behalte
Noch ein kurzer technischer Einblick, der aber konzeptionell wahnsinnig wichtig ist: Während Lisa auf der Schaukel saß, habe ich gemerkt, dass die TTL-Messung (die Automatik des Blitzes) nicht mehr zuverlässig war. Die dunklen Halterungen der Schaukel und der helle Hintergrund haben die Automatik verwirrt. Wenn man merkt, dass die Technik nicht das macht, was die eigene Emotion rüberbringen will, muss man eingreifen.
Ich habe auf meinem Godox-Auslöser die TCM-Funktion genutzt (TTL Convert to Manual). Das übersetzt die letzte TTL-Messung direkt in manuelle Werte. Dann habe ich die Energie leicht angepasst: Den Hauptblitz ein klein wenig zurückgenommen, den Blitz draußen fest auf 1/8 Leistung fixiert. Ab diesem Moment hatte ich die absolute Konstanz. Jeder Schuss war perfekt ausgeleuchtet. Technik ist nur euer Diener, ihr seid die Regisseure des Lichts.
Fazit: Begreift das Licht als euer emotionalstes Werkzeug
Dieses zweite Set in Warendorf war für mich ein echtes Highlight. Von der improvisierten Socke über dem Beauty Dish bis hin zum gefederten Blitz in der Fenster-Alkove – all das zeigt: Licht formt nicht nur Körper, es erschafft Welten. Ein riesiges Dankeschön an Boris, der mich zu dieser Location eingeladen hat. Ohne geile Locations und starke Netzwerke entstehen solche Bilder nicht.
Schaut euch unbedingt das Video oben an. Ihr seht dort genau, wie ich mich bewege, wie ich mit Lisa kommuniziere und wie das Licht Setup in der Praxis wirkt. Lasst mir einen Kommentar auf YouTube da, abonniert den Kanal und freut euch auf Teil 3. Dort wird es dann noch intimer, denn wir verlagern das Shooting direkt ins Schlafzimmer. Bis dahin: Schnappt euch eure Kamera, spielt mit dem Schatten und macht verdammt gute Bilder!
Euer Ortwin.
