Willkommen auf der Koppel: Ein Pferdeshooting mit voller Emotion

Hallo Leute, da seid ihr ja wieder! Wer meine Arbeit kennt, weiß: Für mich ist Fotografie nicht einfach nur das Drücken eines Auslösers. Es geht um Geschichten. Es geht um die Verbindung zwischen Fotograf, Model und dem Licht, das die Szene erst zum Leben erweckt. Heute nehme ich euch mit zu einem ganz besonderen Set – wir machen ein Pferdeshooting im wundervollen „Wendy-Style“.

Ihr erinnert euch vielleicht noch an Katharina? Ziemlich genau vor kurzem hatten wir sie vor der Linse, als wir den großen Kamera-Vergleich zwischen der Nikon Z8 und der Lumix S5 gemacht haben. Diesmal ist sie wieder dabei, aber sie hat ihren besten Freund mitgebracht: ihren beeindruckenden Rappen Britano. Auch mein Kollege Andreas ist wieder am Start, um fotografisch zu unterstützen und das ein oder andere Behind-the-Scenes-Highlight festzuhalten.

Es verspricht ein großartiger Tag zu werden, aber glaubt mir: Wenn man draußen arbeitet, gibt die Natur die Regeln vor. Und genau dieser Herausforderung mussten wir uns an diesem Nachmittag stellen. Schaut mal rein, wie wir das gelöst haben.

Harte Kontraste, weiches Licht: Unsere größte Herausforderung

Location scouten und Traumvorstellungen im Kopf haben ist das eine. Die Realität vor Ort ist oft das andere. Als wir anfingen, hatten wir direkt ein Problem, das wahrscheinlich jeder Outdoor-Fotograf kennt: Die Sonne stand noch viel zu hoch.

„Das erste: Es ist 16 Uhr oder 16:30 Uhr, ein bisschen zu spät und es sieht wirklich danach aus: wir haben hartes Licht. Ich werde Katharina entsprechend hier im Schatten mit ihrem Pferd laufen lassen.“

Hartes Licht am Nachmittag ist für Porträts oft der absolute Feind der Weichheit. Die Schatten in den Gesichtern werden tief, die Lichter brennen aus. Dazu kam unsere Farbpalette des Tages: Ein pechschwarzes Pferd, Katharina in einem leuchtend gelben Rock mit weißem T-Shirt und ein extrem heller, unruhiger Hintergrund. Das ist ein Kontrastumfang, der jede Kamera an ihre Grenzen treibt. Ein cinematischer, gefühlvoller Look entsteht so nicht von allein.

Meine Licht-Philosophie in solchen Momenten? Wenn die Sonne schreit, müssen wir das Licht sanft formen. Also zog ich das Duo in den Schatten am Rand der Bäume. Um das schwarze Fell von Britano und Katharinas Outfit trotzdem strahlen zu lassen, kam mein treuer Begleiter zum Einsatz: Der Godox AD 600 gepaart mit meiner geliebten Speedbox 110. Auf die Softbox habe ich noch einen Diffusor gepackt. Warum? Weil wir weiches, schmeichelhaftes Licht wollten, das das harte Tageslicht ausgleicht und die feinen Nuancen im Gesicht und im Fell herausarbeitet.

Die Psychologie am Set: Ein Pferd lernt blitzen

Wenn du in der People- und Studiofotografie arbeitest, gibst du dem Model Regieanweisungen. Bei der Pferdefotografie bist du eher Gast in der Welt des Tieres. Du kannst nicht einfach einen riesigen, feuernden Blitzkopf neben ein 600-Kilo-Fluchttier stellen und hoffen, dass es stehen bleibt. Vertrauen ist hier alles.

„So ein Pferd an so einem Blitz zu gewöhnen, ich mach’s einfach, indem ich öfter Süßigkeiten, in dem Fall Gras, ihm gebe und dem zeige: Immer wenn es blitzt, gibt es halt Gras.“

Das ist mein absoluter Lieblingstrick. Positive Konditionierung. Ein bisschen anleuchten, ein Blitz, eine Belohnung. Wir haben Britano nicht überrumpelt, sondern ihn ganz sanft an die Technik herangeführt. Nach wenigen Minuten hatte er verstanden: Ein Blitz bedeutet nichts Schlimmes, ein Blitz bedeutet einen kleinen Snack.

Doch bei all der Entspanntheit des Pferdes gab es für uns Fotografen fast einen Schreckmoment. Es wehte ein Wind, der Boden war uneben, und Andreas konnte gerade noch rechtzeitig eingreifen, als mein Lichtstativ bedrohlich wackelte. Wenn ihr mit Tieren – besonders mit Pferden – arbeitet, platziert euer teures Equipment immer so, dass das Tier nicht darüber stolpern kann. Ein Stativ, das auf ein Pferd stürzt, ist nicht nur teuer, sondern brandgefährlich.

Der perfekte Flow: Vom Stehen zur Bewegung

Nachdem wir das Setup (1/125s bei Blende 4,5 und ISO 320) eingependelt hatten, begannen wir mit den tiefen, emotionalen Porträts. Katharina schmiegte sich an den Hals von Britano. Ich ließ sie vor dem Pferd, nicht dahinter stehen, bat sie, den Kopf leicht in meine Richtung zu neigen, um das Licht meiner Speedbox perfekt auf ihrem Gesicht aufzufangen. Das sind die Momente, in denen die technische Ebene im Hintergrund verschwindet und nur noch die Poesie des Bildes zählt.

Dann wurde umgebaut. Kathi holte den Sattel. Wir wollten Dynamik, wir wollten Action! Für die Galopp-Szenen verschoben wir uns auf eine freiere Fläche. Hier war der Hintergrund zwar ein wenig unruhiger durch Bäume und Grünzeug, aber als der Godox-Blitz sein Licht wie einen Theaterscheinwerfer auf das anreitende Duo warf, entstanden fast schon silhouettenhafte, dramatische Looks. Wir mussten improvisieren, den Laufweg anpassen und Katharina aus dem tiefen dunklen Schatten eher ins hellere Licht am Rand leiten. Fotografie bedeutet eben auch: Situationen lesen und sich dem Licht unterwerfen, um es dann im eigenen Sinne zu formen.

Fazit: Jedes Shooting schreibt seine eigne Geschichte

Was für ein Nachmittag! Wir haben das harte Licht der späten Sonne gebändigt, wir haben Stative vor dem Umfallen bewahrt und wir haben vor allem wunderschöne, tief emotionale Bilder kreiert.

Britano war wirklich eine absolute Seele von einem Pferd. Wenn ihr selbst einmal Pferde fotografieren möchtet: Seid achtsam. Beobachtet die Körpersprache des Tieres und erzwingt nichts. Wenn das Pferd unruhig wird, macht eine Pause. Die Ergebnisse werden um ein Vielfaches besser, wenn alle Beteiligten – egal ob auf zwei oder vier Beinen – entspannt sind.

Ich kann mich an dieser Stelle nur riesig bei Katharina, Britano und Andreas bedanken. Es war intensiv, es war lehrreich und es hat wahnsinnig Spaß gemacht.

Wenn ihr genau sehen wollt, wie das Licht wirkte, wie wir moderiert haben und wie Britano auf die Blitze reagiert hat, dann klickt unbedingt oben direkt in das Video rein. Und lasst mich gerne wissen: Habt ihr selbst schon mal Tiere mit großen Blitzanlagen fotografiert? Was sind eure Tricks? Schreibt es mir in die Kommentare unter dem Video.

Ich danke euch fürs Lesen und Zuschauen. Probiert euch aus, spielt mit dem Licht und wir sehen uns beim nächsten Mal. Euer Ortwin – Tschüss!

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