Ein Pferd, ein Model und eine extrem verrückte Idee

Hallo Freunde der Fotografie, willkommen wieder auf meinem Blog. Ganz ehrlich: Heute nehme ich euch mit zu einem Shooting, bei dem ich anfangs selbst nicht genau wusste, ob ich das überhaupt vernünftig hinbekomme. Kennt ihr diese Momente, in denen ein Model euch eine Idee präsentiert und euer Kopfkino sofort auf Hochtouren läuft? Genau das ist passiert.

Mona, die ihr ja vielleicht schon aus anderen Videos kennt, kam mit einer Vorstellung zu mir: Sie wollte ihren Friesen-Wallach Fritz vor Graffitis ablichten. Erstmal ganz klassisch mit ihr auf dem Pferd. Aber dann – und jetzt haltet euch fest – sollte Fritz am Ende auf dem Boden liegen, einen Pinsel im Maul halten und scheinbar ein Graffiti malen. Ein großes Pferd, ein riesiger Landschaftspark und urbane Kunst als Hintergrund. Ein Outdoorshooting, das nach einem echten Abenteuer klang!

Chaos, Glas und Graffitis: Die Suche nach der perfekten Location

Wir waren für dieses Projekt im Landschaftspark Duisburg-Nord unterwegs, dem sogenannten Lapadu. Für mich ist das einer der spannendsten Orte für Urban- und Peoplefotografie überhaupt. Überall gibt es rohen Beton, alte Treppenaufgänge und eben fantastische Graffitis. Aber wenn man nicht nur ein Model, sondern ein fast eine Tonne schweres Pferd dabei hat, ändert sich plötzlich alles.

Eine Location ist nie nur ein hübscher Hintergrund. Sie muss sicher sein. Bevor ich auch nur ans Licht gedacht habe, mussten Mona und ich den Boden checken. Liegen hier Scherben? Gibt es genug Platz für Fritz, sich hinzulegen? Und vor allem: Wie ist die Stimmung drumherum?

„Was ihr nämlich jetzt auch hört: Wir haben hier mehr Lautstärke und das kann natürlich zu ablenkend sein für das Pferd.“

Genau das ist der Punkt. Ein Volleyballfeld in der Nähe, Jungs mit lauten Mopeds – das alles baut Stress auf. Licht und Schatten sind meine Werkzeuge, um Emotionen zu erzeugen, aber wenn mein Charakter vor der Kamera (und ja, Fritz ist ein echter Charakter!) gestresst ist, nützt mir das beste Licht nichts. Wir mussten also einen Bereich finden, der uns die urbane Tiefe gibt, aber ruhig genug für die Pferdefotografie ist.

Licht ist Emotion: Warum flaches Licht Geschichten tötet

Lass uns über Licht sprechen. Ich hätte mich einfach hinstellen und das natürliche Licht im Landschaftspark nutzen können. Aber das ist nicht mein Stil. Wenn ich Mona und Fritz einfach nur frontal anblitze, habe ich zwar alles hell, aber es sieht aus wie ein Schnappschuss. Das Licht ist flach, langweilig und das unglaublich farbintensive Graffiti im Hintergrund frisst das Motiv förmlich auf.

Ich wollte einen cinematischen Look. Ich wollte, dass sich Fritz und Mona majestätisch von dieser rohen, urbanen Wand abheben. Also habe ich in drei Ebenen gedacht.

Mein Aufbau für Struktur und Tiefe

Ich arbeite draußen wahnsinnig gerne mit meinen Godox-Blitzen, weil sie mir die Leistung geben, die ich brauche, um die Sonne oder grelle Umgebungen zu dominieren. Mein Hauptblitz (ein AD600) stand nicht frontal, sondern etwa 30 Grad versetzt. Warum? Weil Schatten Formen modellieren. Ohne Schatten kein Volumen. Ohne Schatten keine Geschichte.

Zusätzlich habe ich mich bewusst gegen streuendes, weiches Licht entschieden. Ich habe die Diffusorfolien aus meinen Speedboxen genommen. Hört mal, was ich im Video dazu sage:

„Ich möchte die Kanten, ich möchte die Farben, ich möchte die Strukturen vernünftig herauskommen lassen. Das geht nicht, wenn ich alles nur total weichzeichne.“

Dazu kam ein Kantenlicht (Rimlight) von hinten, das eine feine, helle Linie um die Beiden zeichnet und sie vom Hintergrund trennt. Und als wir später an einem Durchgang fotografierten, habe ich sogar noch einen kleinen Godox AD200 hinter die Mauer gestellt, um die weiten, dunklen Graffitis im Tunnel separat auszuleuchten. Das ist der Moment, an dem Fotografie anfängt, wie ein Film auszusehen. Man erschafft Ebenen und Tiefe, die das nackte Auge dort gar nicht gesehen hätte.

Bestes Pferd der Welt: Sicherheit geht vor Perfektion

Man kann noch so viel planen, am Ende diktiert die Realität das Shooting. Der Wind weht dir die teuren Lichtformer um (Sandsäcke sind Lebensretter!), die Kamera fokussiert plötzlich auf einen Typen im Hintergrund, oder die Sonne knallt auf einmal durch die Wolken und zerschießt dir deine Belichtung.

Aber der wichtigste Faktor bei einem solchen Shooting ist das Tiergefühl. Fritz ist eine echt coole Socke. Er ist auf Mittelaltermärkten unterwegs, kennt Feuer und laute Geräusche. Das hier ist kein gewöhnliches Pferd, sondern ein echter Profi.

„Für alle von euch, die sowas mal nachmachen wollen mit Pferden: Geht da nicht unbedarft dran. Mona weiß was sie tut, Fritz weiß was er tut. […] Macht das nicht mit einem jungen Hengst, der das noch nie kennt, weil das kann nur Probleme geben.“

Es geht immer um Vertrauen. Ich verkünde jeden Blitzstart, ich zeige dem Pferd die Ausrüstung, und ich vertraue Mona vollends. Wenn Fritz schnaubt, sich kratzen muss oder einen Moment Ruhe braucht, dann bekommt er das. Die Magie im Bild entsteht genau dann, wenn das Tier entspannt ist und seine Ohren neugierig nach vorne spitzt. „Bestes Pferd der Welt“, wie Mona immer so schön sagt – und recht hat sie!

Das Graffiti-Finale: Fritz greift zum Pinsel

Am Ende haben wir die Locations noch einmal gewechselt. Die Jungs mit den Mopeds waren so freundlich, uns eine halbe Stunde Ruhe zu gönnen – auch das gehört zum Location-Hustle dazu: Einfach mal miteinander reden.

Fritz sollte sich vor ein riesiges Garfield-Graffiti legen und den Pinsel nehmen. Leute, ich sag euch, das war konzeptionell ein wilder Ritt. Die Sonne mischte sich permanent ein, ich musste das Licht ständig neu anpassen, und natürlich verlangt man von einem Pferd ziemlich viel, wenn es sich in einer fremden Umgebung auf Kommando auf den harten Boden legen soll. Aber Mona hat eine Engelsgeduld und eine sensationelle Verbindung zu Fritz. Wir haben abgedrückt, als Fritz den Pinsel losließ – eine absolute Millisekunden-Entscheidung. Aber das Bild? Das Bild ist genau das Gefühl, das wir transportieren wollten: Einzigartig, unerwartet und voller Charakter.

Am Ende zählt das Gefühl (und ein wenig Wahnsinn)

Was könnt ihr aus diesem ganzen Wahnsinn mitnehmen? Licht ist nicht nur dazu da, Motive hell zu machen. Licht formt die Szene. Ein Studioblitz Outdoor gibt euch die Macht, die Stimmung eines Ortes komplett neu zu schreiben. Und noch viel wichtiger: Fotografiert nicht einfach nur ab. Erzählt Geschichten! Wenn euch jemand bittet, ein Pferd mit Pinsel im Maul vor einem Graffiti zu fotografieren – sagt nicht nein. Sagt: „Lass uns gucken, wie wir das mit dem passenden Licht richtig episch machen.“

Schaut euch unbedingt das Video oben an. Dort seht ihr den kompletten Aufbau, wie ich die Blitze platziere, wie Fritz auf die Umgebung reagiert und wie wir das Ganze rocken. Es ist raw, es ist echt und es zeigt genau, wie wir arbeiten.

Habt ihr Fragen zum Blitz Set-up draußen oder zur Pferdefotografie? Schreibt sie mir in die Kommentare – ihr wisst ja: bei Fragen, fragen! Lasst mir einen Daumen hoch da, wenn euch solche verrückten Behind-the-Scenes-Einblicke gefallen. Wir sehen uns beim nächsten Shooting. Bis dann, tschüss!

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner