Der ganz normale Wahnsinn: Ein Wassershooting mitten im trockenen Fotostudio

Hallo Freunde der Fotografie und willkommen! Ich habe mich am Anfang dieses Videos fast ein bisschen verheddert. Ich wollte sagen: „Heute machen wir mal was ganz Besonderes!“ Aber dann ist mir aufgefallen: Wenn man jedes Mal etwas Besonderes macht, ist es irgendwann nicht mehr besonders, sondern einfach normal. Also, willkommen zum ganz normalen Wahnsinn heute: Wir fluten gewissermaßen mein Fotostudio.

Habt ihr schon mal ein Wassershooting im Studio gemacht? So überhaupt? In einem voll ausgestatteten, trockenen Raum mit teurer Elektronik? Genau das haben wir durchgezogen. Kimo und Jenny, die beiden kreativen Köpfe hinter dieser Idee, kamen zu mir und meinten: Wir wollen Wasser im Studio. Ich fand das so verrückt und faszinierend, dass wir einen Deal gemacht haben. Sie bekommen das Studio und die Blitzanlage, und ich halte als Storyteller die Kamera drauf, schaue zu und dokumentiere den Aufbau, die Tücken und die Lösungen. Ich nehme euch heute mit hinter die Kulissen eines Shootings, das zeigt, was Peoplefotografie eigentlich ausmacht: Kreativität, ein bisschen Mut zur Lücke und ganz viel Problemlösung.

Vom Hundebadebecken zur cinematisches Illusion

Wenn ihr mal Lust habt, bei euch im heimischen 50-Quadratmeter-Wohnzimmer ein kleines Wassershooting zu veranstalten, dann schaut genau hin. Man braucht nämlich kein Hollywood-Budget. Was Kimo und Jenny angeschleppt haben, war im Grunde ein simples Hundebadebecken. Dazu ein paar Plastikblumen, damit das Bild am Ende nicht so leer und traurig aussieht, wenn da nur jemand im Wasser liegt.

Und hier sind wir bei einem Punkt, der mir in der modernen Fotografie wahnsinnig wichtig ist. Es geht um den Aufwand, den man bereit ist, für ein Bild zu betreiben. In einer Zeit, in der KI-Bilder auf Knopfdruck entstehen, ist echte, physische Fotografie Handwerk. Es ist anstrengend. Es macht Dreck – oder in diesem Fall: Es macht nass.

„Freue mich über jede verrückte Idee, für jedes interessante, was nicht so ganz normal ist. Die meisten Handy benutzenden Frauen ziehen sich irgendwelche Latexklamotten an, stellen sich irgendwo hin, stellen das Handy hin und haben Millionen von Klicks […] Und wir machen halt verrückte Shootings mit ein bisschen mehr Aufwand, erklären viel dabei, haben dann vielleicht nicht 100 Millionen, sondern 100 Klicks, aber dafür wenigstens tolle andere Bilder.“

Und genau darum geht es mir hier auf dem Blog und im Video. Wir wollen Geschichten erschaffen, die authentisch sind. Wenn Jenny in dieses Wasser steigt, dann ist das nicht generiert. Diese Emotion, diese Gänsehaut – das ist echt.

Licht und Schatten: Die Werkzeuge der Dramatik

Ein nasses Model in einem Pool ist nur die halbe Miete. Wenn das Licht nicht stimmt, sieht es aus wie ein Schnappschuss aus dem Freibad. Wir wollen aber cinematisches Licht. Kimo kam eigentlich ohne eigenen Lichtformer für dieses Setup an. Normalerweise arbeitet er wohl mit dem kleinen Godox AD200, wir haben dann aber meinen AD600 rausgeholt. Mehr Wumms, mehr Möglichkeiten.

Kimo wollte das Licht zuerst direkt senkrecht von oben haben. In der Studiofotografie ist das immer so eine Sache. Top-Down-Licht kann extrem dramatisch wirken, birgt aber die Gefahr, dass die Augenpartie komplett im Schatten „absäuft“ und harte Schatten unter der Nase entstehen. Wir haben dann ein bisschen justiert. Licht ist niemals nur Helligkeit. Licht ist ein emotionales Werkzeug.

Wenn das Licht leicht schräg und gerichtet auf das Wasser trifft, entstehen Reflexionen. Jede kleine Welle im Hundepool wirft plötzlich einen Schatten. Diese Kontraste aus Licht und dunkel formen das Bild. Es gibt dem Ganzen Tiefe und holt es aus der flachen Normalität heraus. Jenny sollte sich dann so eindrehen, dass ihr Kopf leicht dem Licht zugewandt ist. So fangen wir das Licht in ihren Augen auf und sie liegt nicht im dunklen Schatten. Es sind diese kleinen Feinheiten, dieses Millimeter-Arbeiten mit dem Winkel, das den Unterschied zwischen einem Knipserbild und einem Portrait ausmacht.

Eiswasser und Wasserkocher: Wenn das Model an Xletics erinnert wird

Fotografie ist für das Model oft alles andere als bequem. Wir haben zwar versucht, mit einem kleinen Wasserkocher immer wieder warmes Wasser nachzuschütten – „Holst du wieder neues Wasser, das macht den Spaß aus“, hörte ich nur im Hintergrund – aber der Pool war groß und das Wasser verdammt kalt. Gefühlt 20 Grad, Tendenz fallend.

Als Jenny ins Wasser stieg, war ihr das schwere Atmen anzuhören. Da half nur mentale Stärke. Wir haben rumgescherzt, ob sie schon mal Xletics-Rennen mitgemacht hat, so richtig im Matsch und Eiswasser. Hatte sie sogar! Aber in meinem Studio sollte sie sich vorstellen, sie sei in der warmen Südsee. Eine wunderschöne Meerjungfrau. Auch das ist Teil der Fotografie: Als Fotograf musst du nicht nur die Technik beherrschen, du musst dein Model führen. Du musst die Stimmung hochhalten, motivieren und für eine Atmosphäre sorgen, in der das Model trotz Kälte abliefern kann.

Spannend wurde es, als wir anfingen, Bewegung ins Wasser zu bringen. Kimo hat gegen den Pool getreten, um Wellen zu erzeugen. Wenn man im gleichmäßigen Rhythmus Wellen macht, schaukeln die sich auf. Plötzlich stehst du da und hast Angst vor kleinen Studio-Tsunamis. Das geht verdammt schnell! Aber genau diese Spritzer, diese unvorhersehbare Bewegung des Wassers, eingefroren durch die kurze Abbrennzeit des Blitzes – das sind die Momente, in denen das Bild anfängt zu leben.

Behind the Scenes: Sicherheit und die drohende 4-Kilo-Kamera

Wir machen im Studio viel Blödsinn mit, aber an einem Punkt hört der Spaß auf: bei der Sicherheit. Ein großer Teil des Videos zeigt die Problemlösungen hinter den Kulissen. Bei einem Top-Down-Shooting direkt über einem Wasserbecken muss die Kamera exakt ausgerichtet sein.

Kimo stand buchstäblich über Jenny gebeugt, die Kamera direkt über ihrem Gesicht. An diesem Punkt MUSST du eine Armschlaufe oder einen vernünftigen Gurt an der Kamera haben. Und zwar nicht, weil das Equipment teuer ist. Das Equipment ist am Ende scheißegal und ersetzbar. Aber das Model nicht.

„Eine Armschlaufe, die die Kamera aus Sicherheitsgründen oben hält, ist bei solchen Shootings gerade unheimlich angesagt. Nicht nur wegen dem Equipment, das ist scheißegal, aber vor allen Dingen wegen dem Model. So eine 4-Kilo-Kamera im Gesicht, das altert schlecht raus.“

Genau das ist die Art von Humor und Realität, die ihr bei mir bekommt. Wenn so eine Vollformatkamera mit Batteriegriff und schwerem Objektiv abrutscht, hast du ein massives Problem. Also immer auf Nummer sicher gehen. Wir durften am Ende herzlich über das „Wasserleichen“-Shooting lachen, weil zum Glück niemand verletzt wurde und nichts runtergefallen ist.

Fazit: Was bleibt nach der Flut?

Am Ende dieses äußerst nassen und verrückten Tages hieß es: Bilanz ziehen. Hat das Shooting funktioniert? Definitiv. Die Bilder (die ihr euch auch im Aufbau im Video ansehen könnt) haben eine ganz eigene, faszinierende Dynamik. Es sieht nicht mehr nach meinem Studio aus, sondern nach einer völlig anderen Welt.

Aber natürlich gibt es bei solchen Aktionen auch Schwund. Das Studio ist ein bisschen sehr nass geworden. Und noch während wir fotografierten, verabschiedete sich irgendwann die Elektrik. Ein Stromkreis ist komplett ausgefallen. Da werde ich wohl noch nachbessern müssen. Jenny hat am Ende nur noch gezittert und war froh, aus dem „Südsee“-Wasser herauszukommen. Und das restliche Wasser? Das wurde ganz pragmatisch mit Schüsseln einfach aus dem Fenster befördert.

Was könnt ihr aus diesem Video mitnehmen?

  • Habt Mut zum Aufwand: Gute Bilder erfordern oft echten, physischen Einsatz. Baut um, räumt auf, probiert Dinge aus.
  • Formt mit Licht: Egal ob ein nasser Hundepool oder ein teures Hintergrundsystem – das Licht entscheidet über die Emotion des Bildes. Arbeitet gezielt mit Schatten.
  • Sicherheit geht vor: Besonders wenn Wasser und Strom (oder schwere Kameras über Gesichtern) im Spiel sind, gibt es keine Kompromisse.
  • Kommunikation ist alles: Führt eure Modelle durch unangenehme Situationen und haltet die Stimmung locker.

Wenn ihr hautnah miterleben wollt, wie das Wasser geschwappt ist, wie wir das Licht aufgebaut haben und wie Jenny dem kalten Nass getrotzt hat, dann scrollt noch mal nach oben und klickt direkt ins Video rein. Schaut es euch an, lasst euch inspirieren und macht vielleicht euer eigenes, ganz kleines „normales“ Wahnsinns-Projekt.

Wie immer gilt: Wenn ihr Fragen zum Setup, zur Blitzanlage oder zur Studiofotografie generell habt – ab in die Kommentare damit. Und ihr wisst ja: Like, Subscribe und wir sehen uns beim nächsten Mal. Bleibt kreativ – und versucht, euer Studio halbwegs trocken zu halten!

Euer Ortwin.

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