Malerfolie, Kunstblumen und ein Traum von Licht: Foto-Fail oder Masterpiece?

Willkommen zurück im Studio, Leute! Ich nehme euch heute mit auf eine Reise, die eigentlich ganz simpel klang, uns aber dann doch ordentlich ins Schwitzen gebracht hat. Schaut mal, manchmal braucht es keine teuren Sets oder exotischen Locations, um Geschichten zu erzählen. Manchmal reicht ein Besuch im Baumarkt. Malerfolie, ein paar Kunstblumen und dazu ein ausdrucksstarkes Model. Das waren unsere Zutaten für diesen Shoot.

Klingt einfach, oder? Plastikfolie aufhängen, Model davor, Klick. Aber wer mich kennt, weiß: Licht ist Emotion. Und Plastikfolie so auszuleuchten, dass sie nicht nach billigem Müllsack, sondern nach einem cinematischen Masterpiece aussieht – das ist die wahre Kunst der Studiofotografie. Begleitet uns dabei. Ich hatte meinen treuen Helfer Jürgen am Start und die wunderbare Jenny vor der Kamera. Falls ihr Jenny noch nicht kennt: Sie war unter anderem das Gesicht bei unserem eiskalten »Heldin des Wassers«-Shooting. Heute sollte es wärmer werden, aber nicht weniger chaotisch.

„Schaut einfach mal zu ob es uns gelingt oder ob es uns nicht gelingt. Und wenn es uns nicht gelingt mault, wenn es uns gelingt applaudiert – aber egal was, macht Kommentare und Bemerkungen.“

Die Tücken der Technik und das Tesa-Problem

Bevor wir überhaupt an die kunstvolle Lichtsetzung denken konnten, fing der Tag schon mit den ganz praktischen Problemen an. Ihr kennt das: Die Idee im Kopf ist grandios, aber die Realität holt dich erstmal auf den Boden der Tatsachen zurück. Wir haben Kunstwerke aus Klebeband an die Decke gezaubert, um diese riesigen Folien zu befestigen.

„Das Interessante ist nicht nachher das Klebeband dran zu bringen, sondern es nachher abzumachen.“

Und dann die Technik! Gerade als das Setup hing und wir loslegen wollten, streikte mein Godox Funkauslöser. Störungen, Aussetzer – ich dachte ernsthaft, die Batterien wären komplett leer. Aber hier ein kurzer, ungefilterter Tipp für alle, die ebenfalls mit Systemen wie Godox in der Peoplefotografie arbeiten: Einmal die Batterien rausnehmen, kurz warten, wieder reintun. Ein simpler Reset wirkt oft Wunder, und schon kommunizierten Kamera und Blitze wieder perfekt miteinander. Lasst euch von solcher Technik niemals den kreativen Flow zerstören.

Licht formt die Geschichte: Weg mit dem Standard-Setup

Die erste Testaufnahme? Sagen wir es so: Gleichmäßig ist was anderes, und langweilig war sie obendrein. Die Testphase unseres Shootings offenbarte direkt das größte Problem, wenn man mit reflektierenden, transparenten Materialien wie Plastikfolie arbeitet. Wenn du Da einfach stumpf mit einer großen Softbox draufhältst, tötest du jegliche Tiefe. Die Folie reflektiert das Licht platt zurück, und das Model wirkt davor wie ausgeschnitten.

Vom großen Schirm zum Beauty Dish

Wir mussten konzeptioneller denken. Ich habe den riesigen 110er Schirm kurzerhand verbannt. Stattdessen griff ich zu einem Beauty Dish – einfach, weil er gerade griffbereit war und sich wunderbar hoch unter die Decke fahren ließ. Warum? Weil ich das Licht fächern wollte. Ich wollte das Licht über die Decke streuen, um den Hintergrund, also unsere Malerfolie, im schummrigen, cinematischen Halbschatten zu belassen.

„Das Stativ haben wir fast ganz nach oben gesetzt. Ich fächer das Licht einfach von dem Beauty Dish da oben, dass wir einfach nach hinten nicht so viel Licht speziell auf den Hintergrund kriegen, auf die Folie.“

Schatten erzählen viel mehr als grelles Licht. Wenn die Folie im Hintergrund nur von Streulicht getroffen wird, fängt sie an, geheimnisvoll zu schimmern, fast wie organische Materie oder Eis.

Kontraste setzen: Licht von unten

Aber wenn das Licht fast ausschließlich von oben kommt, bekommen wir fiese Schatten in Jennys Gesicht. Also haben wir gegengesteuert. Licht von oben verlangt nach Licht von unten. Wir bauten einen kleinen Reflektor auf, den wir mit weißer Folie bespannten, um das abprallende Licht etwas weicher zu machen. Das gab Jennys Gesicht genau den sanften Kontrast, den das Bild brauchte, um nicht zu dramatisch, aber dennoch extrem spannend zu wirken.

Das florale Ensemble und die Unsichtbarkeit des Fotografen

Nachdem das Licht saß, ging es an die Feinjustierung des Sets. Die Kontraste in den Bildern waren schon klasse, aber die Komposition passte noch nicht. Die Folie und die Kunstblumen wirkten zu losgelöst vom Model. Also rückten wir alles näher zusammen. Jürgen formte das „florale Ensemble“ – ja, so hochtrabend nannten wir das Chaos aus Plastikgrünzeug – auf seiner Seite, während ich Jenny auf meiner Seite ausrichtete.

Es ist ein ständiges Ausprobieren:“Ist das zu hoch? Mach mal auf deiner rechten Seite, an Jennys Schulter, etwas mehr von dem Grünzeug rein!“ Wir zogen und zupften an den Pflanzen, während wir aufpassen mussten, nicht die ganze Konstruktion einzureißen.

Später im Video seht ihr eine ziemlich witzige Szene der Behind-the-Scenes-Arbeit. Jürgen übernahm zeitweise die Kamera, und ich wollte noch etwas an den Blumen verändern. Also kauerte ich mich, fast unsichtbar, hinter Jennys voluminöses Kleid. Genau für solche Momente ziehen wir Fotografen am Set meistens schwarze Kleidung an! Du willst lenken, formen und eingreifen, ohne selbst im Bild störend aufzufallen. Es ist ein Tanz im Schatten, um das Licht und das Model im Vordergrund strahlen zu lassen. Und dank des Godox-Systems war der Wechsel nahtlos: Wir hatten mehrere Auslöser synchronisiert, sodass Jürgen und ich abwechselnd shooten und dirigieren konnten.

Fazit: Kreativität braucht Mut zum Chaos

War es am Ende nun ein Foto-Fail oder ein Masterpiece? Schaut euch das Video oben an und entscheidet selbst! Für mich sind genau das die Shootings, die mir am meisten Spaß machen. Wenn man mit scheinbar wertlosen Gegenständen wie einer Malerfolie startet, ein Model in ein wunderschönes Kostüm packt und das Ganze nur mit der Magie von Lichtformern zusammenklebt (und einer Menge echtem Klebeband).

Solche Experimente in der Urban- und Studiofotografie zwingen euch dazu, über euer Licht nachzudenken. Ihr verlasst die Bequemlichkeit der immer gleichen Setups und müsst Probleme lösen. Die Schatten auf der Folie, der Reflexionsgrad, der Abstand zwischen Vorder- und Hintergrund – all das sind großartige Lektionen für eure eigene fotografische Entwicklung. Und selbst wenn am Anfang das Licht katastrophal aussieht: Atmet durch, justiert den Winkel, fächert das Licht neu auf.

Wenn ihr eigene Ideen dazu habt, Verbesserungsvorschläge, oder wenn ihr selbst schon mal völlig verrückte Sachen mit Alltagsgegenständen im Studio gemacht habt – ich will eure Geschichten hören und eure Ergebnisse sehen!

Schreibt mir unten in die Kommentare auf dem Blog oder bei YouTube. Und noch besser: Kommt in unsere Facebook-Gruppe „Die Lichtformer“ und postet dort mal eure wildesten Konstruktionen. Traut euch, ungewöhnliche Wege zu gehen!

Wir räumen jetzt das Studio auf und beseitigen das Plastik-Folien-Chaos. Wir sehen uns beim nächsten Shooting. Bis dann und tschüss – euer Ortwin!

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