Hongkong: Wenn dir die Stadt den Atem raubt – Tag 11 unserer Street Photography Reise

Hallo zusammen, hier ist euer Ortwin! Ich nehme euch heute mit in eine Stadt, die absolut keine Gnade kennt, wenn es um Reizüberflutung, Enge und reines, ungefiltertes Leben geht. Willkommen in Hongkong. Tag 11 unserer Fotoreise, und ich kann euch sagen: Nach der Zeit in Festlandchina war diese Ankunft wie ein Schlag ins Gesicht – aber im positivsten, fotografischsten Sinne, den man sich vorstellen kann.

Hongkong ist nicht einfach nur eine weitere asiatische Großstadt. Hongkong ist ein massiver Kontrast. Es ist lauter, es ist gestapelter, es ist ein ständiges Spiel aus drückender Enge und unfassbaren Weiten, wenn du aufs Wasser blickst. Schaut euch das Video oben an, da seht ihr, wie wir uns durch die schmalen Gassen kämpfen. Aber lasst uns mal ein bisschen tiefer in das eintauchen, was diese Stadt mit dir als Fotograf macht.

Der erste Schock: 15 Quadratmeter für ein ganzes Leben

Street Photography beginnt nicht erst auf der Straße. Sie beginnt mit dem Gefühl, das du für eine Stadt bekommst. Und unser Gefühl für Hongkong begann direkt nach der siebünstündigen Zugfahrt. Spoiler: Unsere SIM-Karten, die eigentlich für ganz China und Hongkong gelten sollten, haben direkt nach dem Aussteigen den Geist aufgegeben. Peng. Orientierungslos in der Megacity.

Damit war unsere Navigation komplett im Eimer. Wir wussten nicht, wie wir zum Hotel kommen. Aber ganz ehrlich? Manchmal ist genau das der Moment, wo du aufhörst, auf dein Handy zu starren, und anfängst, deine Umgebung wirklich wahrzunehmen. Du riechst die Garküchen, du hörst den ohrenbetäubenden Lärm der Doppeldeckerbusse – Britische Kolonie lässt grüßen! – und du achtest plötzlich auf die Schatten, die die riesigen Wolkenkratzer auf den Asphalt werfen.

„Hong Kong ist eng und schmal und klein. Das sieht man auch bei uns am Zimmer. […] Es ist so eng, dass Sandra sogar ausquartiert wurde.“

Als wir unser Hotelzimmer in der Nathan Road endlich gefunden hatten (der Eingang war versteckt in einem indischen Kaufhaus voller blinkender Lichter und winziger Läden), kam die nächste Überraschung: 15 Quadratmeter. Ein Familienzimmer für drei Personen. Die Dusche direkt über der Toilette gebaut. Raum ist hier das absolute Luxusgut. Diese brütende Enge spürst du überall – und genau das ist es, was du in deinen Street-Porträts und Architekturaufnahmen einfangen musst. Es geht um Kompression. Nutzt Teleobjektive, um Gebäude aufeinander zu stauchen, oder extreme Weitwinkel in den schmalen Gassen, um diese fast schon klaustrophobische Atmosphäre zu betonen.

Nachtmarkt, Neonlicht und Tee-Eier

Nachdem wir unsere Zimmer-Situation geklärt hatten (Sandra ist netterweise in ein anderes Zimmer gezogen), ging es abends direkt auf den Night Market in der Temple Street. Für jeden, der das cinematische Licht liebt, ist das hier der absolute Wahnsinn. Überall Neonreklamen, Dampf, der aus den Garküchen aufsteigt, und tiefe, harte Schatten.

Licht ist Emotion, das betone ich immer wieder. Auf dem Nachtmarkt in Hongkong brauchst du keine künstlichen Lichtquellen. Du suchst dir einfach einen Spot, wo eine rote Neoröhre auf den aufsteigenden Dampf einer Nudelpfanne trifft, wartest, bis ein interessanter Charakter durch diesen Lichtkegel läuft, und drückst ab. Es ist rohes, ungeschminktes Storytelling.

Kulinarisch mussten wir uns übrigens umgewöhnen. Nach dem extrem scharfen Essen in Chongqing gab es hier plötzlich keine Schärfe mehr, dafür aber in Tee gekochte Eier. Wie die aussahen? Sagen wir mal so: Das Eigelb hatte eine Farbe, die ein bisschen Mut erforderte. Aber geschmacklich super spannend! Genau solche kleinen Details abseits des Suchers machen eine Fotoreise aus.

Die längste Rolltreppe der Welt und mein Street-Setup

Am nächsten Tag haben wir versucht, den Central-Mid-Levels Escalator fotografisch zu nutzen – das längste überdachte Rolltreppensystem der Welt. Über 800 Meter lang. Das Ding transportiert jeden Tag Tausende von Menschen. Ein gigantischer Fluss aus Gesichtern, Emotionen und Geschichten.

Aber wir haben schnell gemerkt: Das Licht am Vormittag war einfach noch nicht da. Die Stimmung fehlt. Hongkong ist eine Stadt, die erst spät wach wird und nachts richtig explodiert. Die Stadt macht sowieso erst ab 10, 11 Uhr so richtig auf. Also haben wir den Plan geändert: Tagsüber scouten wir Locations, schauen uns die Wasserfront an, beobachten die Schiffe – und nachts, wenn die Lichter angehen, schlagen wir fotografisch richtig zu.

„Stative haben wir bisher noch keine gebraucht. Das kann man machen, wenn man halt irgendwo spezielle Fotos macht, die wirklich halt gut geplant sind. Aber hier mit dem Stativ durch die Gegend laufend ist eine Herausforderung.“

Ein Wort zum Equipment, weil das im Video auch Thema war: Vergesst Stative, wenn ihr in Hongkong Street Photography macht. Ihr seid viel zu langsam, ihr steht den Leuten im Weg, und die Spontanität geht komplett flöten. Wir arbeiten aus der Hand.

Was aber enorm wichtig ist, ist die richtige Tasche. Ich nutze meine K&F Tasche, Sandra hat einen Rucksack. Der wichtigste Tipp, den ich euch für solche Städte geben kann:

  • Beweglichkeit ist alles: Deine Fototasche darf dich nicht behindern, wenn du dich durch asiatische Menschenmassen wühlst.
  • Wasser griffbereit: Bei der Luftfeuchtigkeit in Hongkong musst du trinken. Deine Fototasche MUSS eine Halterung für Wasserflaschen haben.
  • Weniger ist mehr: Eine Kamera, ein bis zwei lichtstarke Objektive. Mehr brauchst du nicht, um filmische Meisterwerke auf der Straße zu schaffen. Deine Beine sind dein Zoom.

Linksverkehr und Lebensgefahr

Eine kleine Sache, die mich fast umgebracht hätte: der Verkehr. Wir sind in einer ehemaligen britischen Kolonie, und es herrscht Linksverkehr. Das klingt banal, aber wenn du durch den Sucher schaust, das perfekte Motiv auf der anderen Straßenseite siehst und losläufst, schaust du aus reiner Gewohnheit in die falsche Richtung. Ich wurde wirklich fast angefahren! Die Fahrzeuge hier nehmen keine Rücksicht auf Fußgänger. Also, liebe Leute, wenn ihr nach Hongkong fahrt: Augen auf, und zwar in beide Richtungen.

Fazit: Morgen wird abgeliefert (trotz kaputter Stimme)

Dieser erste Tag in Hongkong war anstrengend, laut und chaotisch. Die Hotelzimmer sind winzig, die Technik hat gestreikt, und die extremen Wechsel zwischen der schwülen Hitze auf der Straße und den auf Kühlschranktemperatur heruntergekühlten Malls haben Tribut gefordert. Gegen Ende des Videos werdet ihr hören, dass ich kaum noch eine Stimme habe. Ich klinge jetzt schon eher nach Lemmy Kilmister als nach Ortwin.

Aber wisst ihr was? Genau das ist Fotografie on Location. Es ist nicht immer perfekt, es ist nicht immer glamourös. Es ist Arbeit, Schweiß und das ständige Suchen nach der perfekten Balance aus Licht und Schatten.

Schaut euch unbedingt das Video oben an, um die volle Dosis Hongkong zu spüren – die Enge des Zimmers, das Gewusel auf dem Nachtmarkt und die faszinierende Lichterstadt am Wasser. Und dann freut euch auf unseren nächsten Tag. Wir haben nämlich noch Großes vor. Der Victoria Peak wartet auf uns, und ich verspreche euch: Da werden wir cinematisches Licht vom Feinsten einfangen.

Also, bleibt kreativ, sucht das Licht in den dunklen Gassen und wir sehen uns morgen wieder! Euer Ortwin.

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