Willkommen im Fotountergrund: Wenn die Zeit der größte Gegner ist
Hallo zusammen, ich nehme euch heute wieder mit hinter die Kulissen. Wer meine Reise in den letzten Wochen verfolgt hat, weiß: Ich baue gerade mein neues fotografisches Zuhause. Den Fotountergrund. Und ich muss euch ehrlich sagen: Wenn man so ein Projekt stemmt, gibt es diesen einen Moment, in dem die Realität hart zuschlägt. Den Moment, in dem du auf die Uhr schaust, auf den Kalender blickst und merkst: Es wird verdammt eng.
„Willkommen zum nächsten Update vom Studiobau. Langsam rennt mir die Zeit weg.“
Genau an diesem Punkt stehe ich gerade in Studiovlog 15. Es ist nicht nur ein Raum, den ich hier einrichte. Es ist eine Bühne für zukünftige Geschichten, ein Labor für Licht und Schatten, ein Studio, in dem Visionen Realität werden sollen. Aber bevor wir an cinematische Bildsprache, perfekte Lichtsetzung oder fesselnde Porträts denken können, regiert hier momentan eine ganz andere Realität: Holzstaub, Farbehände und der gnadenlose Countdown eines nahenden Umzugs. Schaut euch das Video an, um direkt mit mir in dieser Baustellen-Atmosphäre zu stehen.
Ein Podest für das richtige Licht und neue Perspektiven
In den letzten Tagen habe ich stark handwerklich gearbeitet. Ich habe eine Plattform gebaut, das Holz passend zusammengeschnitten und schließlich auch gestrichen. Warum eigentlich eine Plattform in einem Fotostudio? Für viele mag das nur nach ein paar Brettern aussehen, aber für mich als Fotograf ist das ein essenzielles Werkzeug der Studiofotografie.
In der People- und Urban-Fotografie geht es immer um Perspektiven. Ein Podest zwingt dich als Fotograf, anders auf dein Motiv zu blicken – oder es gibt dem Model die Möglichkeit, sich physisch von der Umgebung abzuheben. Es verändert die Art, wie Licht auf die Personen fällt, wie Schatten sich auf dem Boden abzeichnen und wie Dominanz im Bild verteilt wird. Licht ist Emotion, und eine physische Erhöhung im Raum gibt mir völlig neue Hebel, um diese Emotionen zu lenken.
Aber natürlich fängt jedes Kunstwerk mal unfertig an. Wer genau hinsieht, wird im Vlog etwas Lustiges bemerken: Das Podest sieht aus wie ein Fleckenteppich aus verschiedenen Grautönen.
„Das ist eine Grundierung, einfach nur eine Farbe, die dafür sorgt, dass ich nachher da beliebige Farben drauftun kann. Wenn ihr euch fragt, warum das in verschiedenen Helltönen oder Dunkeltönen so abgesetzt ist: Ich habe einfach Farben genommen, die ich gerade irgendwie zur Verfügung hatte – einfach aus Kostengründen.“
Kreativität statt Perfektion: Die nackte Wahrheit über Studiobau
Ich mag diesen Fleckenteppich auf dem Podest. Er ist eine schöne Metapher für unsere kreative Arbeit. Oft sehen wir in der Fotografie nur das perfekte Endresultat: gestriegelte Haut, perfektes Edge-Light, dramatische Schatten, stimmungsvolles Color-Grading. Aber der Untergrund – die Vorbereitung, das Basteln, das Scheitern und Neumachen – ist oft chaotisch und unperfekt.
Ein Fotostudio einzurichten, ist teuer. Jeder Cent zählt. Ihr habt es in meinem gestrigen Update ja schon mitbekommen, wie sich die Ausgaben summieren. Ach ja, ein kurzes Update dazu: Gestern habe ich noch vergessen zu erwähnen, dass noch einmal 30 € für EDV obendrauf kamen. Es sind diese ständigen, kleinen Beträge, die einen zwingen, pragmatisch zu bleiben. Warum also teure Grundierung kaufen, wenn ich noch alte Farbreste habe? Sie erfüllen ihren Zweck: Sie versiegeln das Holz, damit ich später den eigentlichen Look des Podests kreieren kann. Perfektionismus an der falschen Stelle tötet jedes Projekt – egal ob beim Handwerken oder beim Fotografieren.
Wenn wunderschönes Grau zu Weiß werden muss – Ein Schmerz für jeden Licht-Philosophen
Kommen wir zu dem Punkt, der mir in diesem Vlog emotional am meisten wehtut. Wenn ihr meine Arbeit kennt, wisst ihr: Ich bin kein Fan von heller, überstrahlter "Katalog-Fotografie". Ich liebe cinematische Bildsprache. Ich liebe es, wenn Schatten Geschichten erzählen, wenn Dunkelheit einem Porträt Tiefe und Charakter verleiht. Und dafür ist Grau die allerbeste Farbe der Welt.
Ein schönes, mittleres Grau (das fast an das Neutralgrau einer Graukarte herankommt) ist im Fotostudio ein Traum. Es schluckt Licht, ohne es komplett zu fressen. Es reflektiert nicht unkontrolliert, es lässt sich durch entfesselte Blitze und gezielte Lichtformer wunderbar in pures Schwarz oder strahlendes Weiß verwandeln. Es gibt dir die absolute Kontrolle.
Und jetzt seht euch die Wände in meinem neuen Raum an. Sind sie nicht großartig? Dieses raue, ehrliche Grau. Es hat so viel Textur, so viel Charakter für authentische Street-Photography-Vibes, aber eben indoor.
„Obwohl ich es so toll finde, diese Wände, die ich so schön grau gestrichen habe – müssen alle weiß sein. Puh, das ist noch Arbeit.“
Weiß. Die absolute Antithese zu cinematischem Licht. Eine weiße Wand ist wie ein riesiger, unkontrollierbarer Reflektor. Wenn ich dort später mit hartem Licht arbeite, wirft das Weiß das Licht in alle Richtungen zurück in den Raum. Es zerstört die Tiefen, es wäscht die Kontraste aus. Das bedeutet für mich in Zukunft: Wenn ich hier dramatische Porträts schießen will, werde ich massiv mit Negative Fill (also schwarzem Molton oder Stellwänden) arbeiten müssen, um das Licht wieder wegzunehmen, das mir die weißen Wände ungewollt schenken.
Warum mache ich es dann? Weil der Raum bestimmte formelle Vorgaben erfüllen muss, um ihn vorerst als Basis nutzen zu können. Manchmal muss man eine blanke, neutrale (und leider weiße) Leinwand schaffen, um das Fundament zu legen. Die Magie, die Schatten, die Stimmung – das alles werde ich danach mit meinem Equipment und meiner Art zu beleuchten zurück in diesen Raum bringen. Das ist meine Aufgabe als Storyteller.
Der Countdown: Noch eine Woche bis zum großen Schnitt
Warum dieser riesige Druck? Aktuell habe ich noch exakt eine Woche Zeit, um diesen Raum hier so weit fertigzustellen, dass man ihn als Studio bezeichnen kann. Ende des Monats muss ich aus meinem alten Raum komplett raus sein. Das ist nicht nur ein physischer Kraftakt, sondern auch ein mentaler.
Ein altes Studio zu verlassen, bedeutet auch, einen Raum voller Erinnerungen, gelungener Shootings und langer kreativer Nächte hinter sich zu lassen. Ein neues Studio ist anfangs immer kalt und fremd. Es muss erst mit Energie, mit Musik, mit Lichtblitzen und guten Gesprächen mit Models gefüllt werden, bevor es dein Studio wird.
In den nächsten sieben Tagen muss sich hier also noch einiges tun. Die weiße Farbe muss an die Wände, das Equipment muss rüber, die Kabel müssen verlegt werden. Die Zeit rennt, aber die Vision im Kopf ist glasklar.
Fazit: Bleibt dran, es wird spannend!
Manchmal ist Fotografie eben nicht das Drücken des Auslösers, sondern das Schleppen von Holz und das Schwingen von Farbpinseln. Der Fotountergrund entsteht, Puzzleteil für Puzzleteil. Ich freue mich extrem darauf, diesen Raum bald mit euch zu teilen – wenn das Licht dort genau so fällt, wie ich es mir erträume.
Schaut euch das kurze Vlog-Update oben an, um einen Eindruck von der Location zu bekommen. Wie hättet ihr euch entschieden? Hättet ihr das Grau auf Teufel komm raus behalten, oder versteht ihr meinen Schritt, erstmal eine neutrale Basis zu schaffen? Lasst es mich wissen!
Morgen gibt es dazu logischerweise weitere Infos vom Bau. Ich muss jetzt zurück an die Farbrollen. Die weißen Wände streichen sich leider nicht von selbst. Wir sehen uns im nächsten Update – bleibt kreativ und behaltet euer Licht im Auge!
Euer Ortwin.