Willkommen im neuen Raum: Warum die Studiogröße beim Umzug alles verändert
Hallo zusammen und willkommen zu einem weiteren Blick hinter die Kulissen. Ich nehme euch heute wieder mit in meinen aktuellen Studioausbau. Ein Studioumzug ist ja nicht einfach nur das Kistenschleppen von A nach B. Es ist ein kompletter Neustart. Es ist die Frage: Wie will ich in Zukunft fotografieren? Wie will ich Geschichten erzählen? Und vor allem: Welchen Raum brauche ich, um mit Licht und Schatten genau die Gefühle zu kreieren, die mir und meinen Kunden wichtig sind?
In meiner aktuellen YouTube-Shortserie zeige ich euch jeden Tag hautnah, welche Hürden so ein Umzug in ein neues Foto- und Videostudio mit sich bringt. Es geht nicht immer nur um die schönen Ergebnisse, die ihr später auf den fertigen Bildern seht. Es geht um die dreckige Arbeit dazwischen. Um Staub, um Planung und um die nackten Fakten. Und heute sprechen wir über einen ganz entscheidenden Fakt: die Studiogröße.
Hallo zu einem weiteren Teil des Studioumzugs und Studioausbaus, wo ich euch erkläre, was zu so einem Foto- und Videostudio gehört innerhalb dieser Shortserie auf YouTube.
Raum ist für uns Fotografen nicht einfach nur "Platz". Raum ist Freiheit. Raum bestimmt, wie sich das Licht verhält und wie wir mit den Menschen vor der Kamera interagieren können. Schaut mal, ich zeige euch in diesem Beitrag, warum ein paar Meter mehr in der Länge nicht nur logistisch, sondern vor allem kreativ einen gewaltigen Unterschied machen.
Der Kampf um die Tiefe: Wenn 9 Meter einfach nicht mehr reichen
Lass uns kurz zurückblicken. Mein altes Studio war toll, ich habe dort unzählige emotionale Porträts geschossen und wunderbare Menschen kennengelernt. Aber es hatte seine physischen Grenzen. Es war fast quadratisch geschnitten, was auf den ersten Blick gemütlich wirkt, aber für meine Art der Peoplefotografie immer wieder zu Kompromissen geführt hat.
Das Alte hatte eine Länge von knapp 9 m und dabei eine Breite von fast 5 m, das hier hat jetzt eine Länge von 14 m und eine Breite von 4,5 m.
Stell dir das mal vor: 9 Meter Länge. Das klingt erst mal nach viel. Aber was passiert, wenn du anfängst, ein Set aufzubauen? Du hast deinen Hintergrund. Davor steht dein Model. Wenn du eine wirklich cinematische Bildsprache erschaffen möchtest, darf das Model nicht direkt an der Wand kleben. Wir brauchen Abstand zum Hintergrund, damit dieser in einer weichen Unschärfe verschwindet und wir Tiefe ins Bild bekommen. Licht braucht Raum, um zu atmen. Um abzufallen und weiche, geheimnisvolle Schatten zu werfen.
Wenn das Model zwei bis drei Meter vor dem Hintergrund steht, dann ich mit der Kamera und vielleicht einem 85mm oder 135mm Objektiv noch mal drei bis vier Meter davor stehen muss... dann stehe ich bei 9 Metern Raumlänge quasi schon mit dem Rücken draußen im Flur. Es war jeden Tag ein kreativer Drahtseilakt.
Die Magie von 14 Metern Raumlänge
Und jetzt? Jetzt stehe ich in einem Raum, der 14 Meter lang ist. Die Breite ist mit 4,5 Metern minimal geringer als vorher, aber dieser Schlauch-Schnitt, diese unglaubliche Länge, ist ein absoluter Gamechanger für mein Foto- und Videostudio.
Warum? Weil ich nun das Licht ganz anders setzen kann. Cinematische Fotografie lebt von Ebenen. Vordergrund, Motiv, Hintergrund. Ich kann nun praktische Lichter – sogenannte Practicals – tief im Raum platzieren. Ich kann das Hauptlicht, mein Keylight, exakt so positionieren, dass der Schatten sanft über das Gesicht verläuft, ohne dass das Licht sofort wieder von der Rückwand auf mein Motiv zurückgeworfen wird und mir die Kontraste zerstört. Streblicht, dramatische Silhouetten, tiefe, satte Schatten – all das wird erst möglich, wenn das Licht nicht unkontrolliert im Raum umherfliegt. 14 Meter schlucken das Licht, das ich nicht brauche. Das ist Licht-Philosophie pur!
Psychologie am Set: Trennung von Arbeit und Entspannung
Aber es gibt noch einen viel wichtigeren Grund, warum ich mich so über diese 14 Meter freue. Und das hat wenig mit Technik und Blendenstufen zu tun, sondern mit purer Menschlichkeit. Es geht um die Psychologie während eines Shootings.
Peoplefotografie ist zu 80 Prozent Psychologie und zu 20 Prozent Fotografie. Wer zu mir ins Studio kommt, ist oft aufgeregt. Die Leute stehen nicht jeden Tag vor der Kamera. Sie müssen sich öffnen, Vertrauen fassen, ankommen. Und das geht nicht, wenn das Chaos des Sets sie sofort erdrückt.
Ihr habt ja die Schwierigkeiten schon gesehen gehabt, die ich drüben hatte. Ich hatte zu wenig Abstand zwischen der Aufnahmefläche und der Schulungs- oder Aufenthaltsfläche. Mit der Länge hier ist das überhaupt kein Problem.
Im alten Studio war alles eins. Du saßt auf dem Sofa, hast deinen Kaffee getrunken, beim Vorgespräch versucht, etwas runterzukommen – und direkt einen Meter neben dir ragte ein riesiges Stativ mit einer riesigen Softbox auf. Eine ständige, unbewusste Erinnerung: "Gleich musst du abliefern. Gleich wirst du fotografiert." Das erzeugt Druck.
In den neuen Räumlichkeiten habe ich durch die 14 Meter Länge endlich die Möglichkeit, Zonen zu schaffen. Wie eine Bühne und einen Backstage-Bereich. Vorne im Studio können wir jetzt in Ruhe sitzen. Eine echte Schulungs- und Aufenthaltsfläche. Wir können miteinander reden, Konzepte durchgehen, vielleicht mal gemeinsam am Laptop schauen, was KI als kreativer Sparringspartner für unseren Look vorschlägt. Und das Set? Das wartet ganz entspannt hinten im Raum. Es drängt sich nicht auf. Es lässt uns in Ruhe, bis wir bereit für die Geschichte sind, die wir erzählen wollen.
Der versteckte Bonus: Einbauschränke für den klaren Geist
Im Video erwähne ich noch einen kleinen, aber feinen Glücksgriff in diesem neuen Foto- und Videostudio: die Einbauschränke. Klingt banal? Vielleicht. Aber für mich als Storyteller ist das essenziell.
- Weniger Ablenkung: Visuelles Chaos im Raum führt zu Chaos im Kopf. Ausrüstung, die offensichtlich herumliegt, lenkt ab.
- Schnellerer Workflow: Ich muss nicht erst Kisten stapeln, um Platz zu machen. Alles hat seinen festen Ort.
- Clean Space: Das Studio wirkt professioneller, ruhiger und ordentlicher. Das überträgt sich direkt auf die Gemütsruhe meiner Kunden.
Ein leerer, aufgeräumter Raum ist wie eine leere Leinwand. Er zwingt mir keine Struktur auf, sondern lässt mir und meiner Kreativität völlig freie Hand.
Fazit: Raum ist das Fundament für große Geschichten
Ihr merkt schon, ich gerate ein bisschen ins Schwärmen, obwohl hier gerade noch echte Baustellen-Atmosphäre herrscht. Aber genau das ist es, was mich antreibt. Zu sehen, welches Potenzial in diesen Mauern steckt. Dieser Studioausbau zeigt mir jeden Tag, dass eine clevere Planung und das Verstehen der eigenen Bedürfnisse Gold wert sind.
Die 14 Meter Länge sind nicht einfach nur eine Zahl im Mietvertrag. Sie sind mein neues Werkzeug für noch stärkere Kontraste, noch sanft verlaufende Schatten und vor allem für eine noch entspanntere, ehrlichere Atmosphäre am Set. Wenn sich die Menschen wohlfühlen, fallen die Masken. Und erst dann machen wir wirklich echte, authentische Bilder.
Schaut euch unbedingt das kurze Video oben an, um einen echten Eindruck von den Dimensionen zu bekommen. Seid live dabei, wie dieses neue Studio jeden Tag ein Stückchen mehr zu meinem kreativen Zuhause wird. Was meint ihr? Ist für euch in einem Fotostudio eher die Breite entscheidend, oder seid ihr auch Team "Tiefe"? Lasst uns in den Kommentaren unter dem YouTube-Video darüber quatschen. Ich freue mich auf euch!
Bleibt kreativ und spielt mit dem Licht,
Euer Ortwin