Hallo Freunde der Fotografie: Willkommen im Ruhrpottstudio!
Schaut mal, ich nehme euch heute wieder mit auf einen kleinen Ausflug. Wer mich kennt, weiß: Ich liebe es, mich mit anderen Kreativen auszutauschen, neue Locations zu scouten und einfach zu schauen, was passiert, wenn man ein paar verrückte Fotografen in einen Raum sperrt. Genau das haben wir wieder bei einem unserer lockeren Studiotreffen gemacht. Dieses Mal waren wir im Ruhrpottstudio in Gelsenkirchen-Buer zu Gast. Jörg, der Betreiber und Besitzer, hat uns seine heiligen Hallen zur Verfügung gestellt und wir haben die Location auf Herz und Nieren geprüft.
Ich hatte am Anfang ehrlich gesagt keinen großen Masterplan. Ich dachte mir einfach: Ich schleife Amy gleich mal ein bisschen vor die Kamera, wir probieren ein paar Sets aus und schauen, welche Gespräche sich so ergeben. Denn ganz ehrlich: Die besten Shootings entstehen nicht durch starre Konzepte, sondern durch das Machen, durch das Fühlen der Location und durch das Licht, das man vor Ort findet. Let the show begin!
Verkehrte Welt: Wenn der Available-Light-Typ plötzlich blitzt
Fotografie ist immer für eine Überraschung gut. Da stehst du im Studio, willst eigentlich loslegen, und plötzlich merkst du, dass sich die Rollen komplett gedreht haben. Uwe, der Ruhrpottkop, der normalerweise immer predigt, dass er nicht blitzen will und lieber mit Dauerlicht oder Available Light arbeitet, stand plötzlich da und feuerte die Blitze ab. Und ich? Der Typ, der als "der Blitzer" verschrien ist? Ich stand da, habe mir das Schauspiel genüsslich angeschaut und komplett ohne Blitz fotografiert.
„Ortwin, du wirst es nicht glauben, heute mit Blitzlicht… und wie sind die Ergebnisse? Nicht schlecht! Also ich muss sagen, du hast nicht immer Unrecht mit deinem Blitz.“
Genau das ist es, was solche Studiotreffen so wertvoll macht. Man bricht aus seinen eigenen Routinen aus. Man testet Dinge, die man sonst vielleicht meidet. Und manchmal stellt man fest, dass die Technik des anderen gar nicht so übel ist. Es war wirklich eine verkehrte Welt an diesem Nachmittag, aber die Ergebnisse sprachen für sich.
Meine Geheimwaffe für filmische Bilder: Die lichterbetonte Messung
Während die anderen mit dem Studioblitz gespielt haben, habe ich mich meiner absoluten Lieblingstechnik gewidmet. Es ist eine Frage, die ich oft gestellt bekomme: "Ortwin, wie bekommst du diese extrem kontrastreichen, cinematischen Looks hin, ohne dass die Highlights ausbrennen?" Die Antwort ist eigentlich keine Hexerei, sondern eine einfache Einstellung an der Kamera, die viele komplett ignorieren: die lichterbetonte Belichtungsmessung.
Stell dir folgendes vor: Du bist im Studio, du hast Dauerlichtquellen, vielleicht ein paar spannende Neonröhren oder einen scharfen Spot im Hintergrund. Wenn du jetzt die Kamera auf Integralmessung oder Mehrfeldmessung stehen hast, versucht die Kamera, das ganze Bild irgendwie "ausgeglichen" zu belichten. Das Ergebnis? Das Bild wird zu hell, die Stimmung geht flöten, das Licht verliert seine Magie.
„Das Schöne was daran ist: du hast halt immer kontrastreiche Bilder, du hast halt interessante Bilder mit Schatten, du hast nicht so einen homogenen Matsch. Und deshalb ist das eigentlich so das, was ich am liebsten habe.“
Ich hasse diesen "homogenen Matsch". Fotografie lebt von Kontrasten. Licht ist Emotion, aber Schatten erzählen die eigentliche Geschichte. Bei der lichterbetonten Messung überprüft die Kamera den gesamten Sensor und regelt die Belichtung strikt so ab, dass die hellsten Stellen im Bild – unsere Highlights – niemals ausbrennen (Clipping). Klar, das Risiko liegt in der Unterbelichtung der restlichen Bereiche. Aber genau da liegt für mich die Kunst! Du bekommst knackige, tiefe Schatten und perfekte Lichter. Deine Bilder sehen sofort hochwertiger und nach "Kino" aus. Probiert das unbedingt bei eurem nächsten Shooting aus!
Schatten zulassen – Licht spüren
Als ich Amy fotografiert habe, ging es mir genau darum. Ich sagte zu Jörg: "Könntest du das Licht da hinten mal auf 25% reduzieren? Weniger... weniger... stop." Ich brauchte das Hauptlicht von hinten, ich wollte Silhouette, ich wollte Kantenlicht. Wenn das Gesicht komplett vom Licht geflutet wird, kriege ich kein Bild, das mich emotional packt.
Storytelling im Set: Südfrankreich mitten im Ruhrpott
Das Ruhrpottstudio bietet wahnsinnig viele Möglichkeiten und Ecken, mit denen man spielen kann. Aber ein gutes Set allein macht noch kein gutes Bild. Du musst das Model in die richtige Stimmung versetzen. Wenn jemand starr vor der Kamera steht, siehst du das in den Augen. Also habe ich Amy auf eine kleine gedankliche Reise mitgenommen.
„Stell dir einfach vor, du bist irgendwo in Südfrankreich und hast so eine Sommerbrise. Lehn dich locker an – Hauptsache, du siehst das Licht.“
Ich arbeite unglaublich gerne aus einer bestimmten Perspektive heraus, die ich aus der analogen Zeit liebe: die "Waist-Level"-Haltung. Früher hat man bei Mittelformatkameras von oben in den Lichtschachtsucher geschaut. Die Kamera war auf Bauchhöhe. Wenn du dir historische, ikonische Porträts anschaust, die alle toll finden, sind die meisten exakt so entstanden. Warum sollte ich mich also strecken und von oben auf das Model herabfotografieren? Ich gehe lieber ein Stück runter. Das gibt der Person vor der Kamera Präsenz, Erhabenheit und Stärke. Solche Kleinigkeiten machen den Unterschied zwischen einem schnellen Knipsbild und einem echten Porträt aus.
Hinter den Kulissen: Wenn die Technik auf Hochtouren läuft
Natürlich wird bei so einem Treffen auch gefachsimpelt. Wir sprachen über die Nikon ZF mit ihrem charmanten (aber manchmal fies zu bedienenden) Retro-Look, der stark an die Fujifilm-Sensibilität erinnert. Wir haben über anstehende Street-Photography-Trips ins Rotlichtviertel nach Amsterdam gesprochen, wo man nachts mit möglichst leichtem Gepäck unterwegs sein muss.
Und dann kam das Thema Datenmengen auf. Wenn du im Flow bist, drückst du eben ab. Ich erzählte den Jungs von einer Party vor Kurzem, bei der ich mal eben 2800 Bilder im RAW-Format mit der Z7 durchgejagt habe. Das sind 50 Megabyte pro Bild! Aber mit dem richtigen Rechner zu Hause (mein Kollege sprach von AMD, 32 Kernen und 98 GB Arbeitsspeicher) machst du dir da keine Gedanken mehr. Die Technik darf uns im kreativen Prozess nicht ausbremsen. Sie muss uns unterstützen, egal ob wir massenhaft Fotos aussortieren oder diese 4K-Videos hier für euch schneiden.
Fazit: Ein echtes Paradies für Fotografen
Das Treffen neigte sich dem Ende zu und fast alle waren bis zur letzten Minute da – ein echtes Qualitätsmerkmal für ein Studio! Wir haben gelacht, wir haben das Equipment hin und her geräumt, wir haben das Ruhrpottstudio in Gelsenkirchen wirklich auf Herz und Nieren getestet.
Mein Fazit? Es war einfach richtig gut. Eine Empfehlung auf ganzer Linie. Jörg ist ein super Studiobesitzer, der dir alles genau erklärt und zeigt. Er nimmt sich die Zeit, damit du dich als Fotograf (und deine Models) dort wohlfühlst.
Schaut euch unbedingt oben das Video an, um die Stimmung hautnah mitzuerleben, die Sets in Aktion zu sehen und das Geplänkel zwischen uns Fotografen ungefiltert mitzunehmen. Wenn ihr das Ruhrpottstudio selbst mal buchen wollt, packe ich euch alle Links direkt ins Video und unten in die Kommentare. Fragt Jörg an, testet es aus und vor allem: Geht raus, spielt mit dem Licht und traut euch, die Schatten zuzulassen!
Ich würde sagen, wir sind durch für heute. Wir sehen uns beim nächsten Mal. Bis dann und tschüss!