Willkommen hinter den Kulissen: Wenn die Planung Schatten wirft
Ich nehme euch wieder mit auf eine Reise. Willkommen zu einer neuen Folge von „Abenteuer Business“! Wer meine Videos kennt, weiß: Für mich ist die Fotografie nicht einfach nur das Drücken eines Auslösers. Es ist das Spiel mit Licht und Schatten, es ist echte Emotion, es ist Storytelling. Aber – und das ist ein sehr großes Aber – bevor wir im Studio oder auf der Location stehen und die Magie kinoreifer Bilder erschaffen können, müssen wir durch das Tal der Vorbereitung. Und dort gibt es manchmal weniger Licht und deutlich mehr Schatten.
„Workshop-Planung kann echt manchmal schwierig sein...“
Glaubt mir, der Weg von der ersten vagen Idee einer Workshop-Reihe bis zu dem Moment, an dem wir alle gemeinsam in der wunderbaren Zeche in Hamm stehen, ist steinig. In diesem Blogbeitrag, passend zu Teil 3 meiner Videoserie, will ich mit euch genau diese Hürden teilen. Wir sprechen über die zähe Suche nach der richtigen Garderobe, über das Finden großartiger Modelle und – das ist heute unser absolutes Hauptthema – über das trockene, aber unfassbar wichtige Thema: Modelrelease und Bildrechte.
Konzepte, Outfits und die Suche nach der richtigen Story
Wenn ich einen Workshop plane, dann möchte ich euch nicht einfach nur ein Modell vor eine weiße Wand stellen. Ich möchte eine Geschichte erzählen. Für die Zeche in Hamm habe ich die erste Workshop-Fassung mit Miss Pippas fertiggemacht. Dabei gingen mir tausend Dinge durch den Kopf. Was genau wollen wir fotografieren? Klar, „Sex sells“, das wissen wir alle. Wenn man Themen wie Dessous, verdeckten Akt, Fetisch – in unserem Fall vielleicht Latex oder sogar leichtes Bondage – anbietet, weckt das direkt Interesse.
Aber ich bin Fotograf und Storyteller. Ich liebe auch die klassische Fashion- und Porträtfotografie. Das wilde, cinematische Licht auf fließenden Stoffen. Dafür brauchte ich besondere Kleider und Accessoires. Und da fingen die Probleme an.
Ich dachte mir: Rufst du mal bei den Theatern in Essen und Gelsenkirchen an. Pustekuchen. Die vermieten ihre Sachen nicht für solche Zwecke. Dann habe ich Kontakt zum „Erlkönig“ aufgenommen, einer mittelalterlichen Schneiderei hier in Gelsenkirchen. Leider macht er in der Richtung nichts mehr. Dieser ganze Scouting-Prozess ging erstmal total ins Leere. Ohne die richtige Garderobe fehlt dem Bild am Ende die Seele.
Die Model-Suche: Von Rückschlägen und neuen Netzwerken
Nachdem die Kleidersuche stockte, brauchte ich für den Fashion-Bereich meiner Workshops noch Ausdrucksstarke Gesichter. Modelle, die wissen, wie sie mit Licht und Schatten interagieren. Also habe ich auf Facebook in der sogenannten „Model-Box“ – einer nicht-öffentlichen Gruppe zum Netzwerken – eine Ausschreibung gestartet.
Schaut mal ins Video, da zeige ich euch am Monitor, was dann passierte. Die Resonanz war Wahnsinn! Es haben sich Modelle gemeldet, die ich teilweise schon kannte, aber auch viele für mich noch völlig unbekannte Gesichter. Und das Schönste daran: In den ersten Telefonaten stellte sich heraus, dass einige dieser Modelle direkte Kontakte zu Fashion-Designern haben! Plötzlich öffneten sich Türen für einen tollen Fundus an Garderobe, die vorher verschlossen schienen. Manchmal muss man einfach den Raum betreten, damit das Licht angeht.
„Eins meiner Modelle ist leider aktuell im Krankenhaus. Von dieser Seite aus: Gute Besserung! Eigentlich wollte ich mit ihr schon die Workshop-Ausschreibung fertig machen... Das verschiebt sich jetzt leider ein klein wenig.“
Solche Dinge passieren im Hintergrund. Das ist das echte Leben. Das ist echte Peoplefotografie. Man arbeitet mit Menschen, und Menschen werden eben auch mal krank. Flexibilität ist hier die wichtigste Eigenschaft, die man als Fotograf haben muss.
Das Herzstück: Modelrelease und Bildrechte
Kommen wir zum fachlichen Teil, und der ist essenziell. Wenn wir uns am Set begegnen, sei es bei einem TFP-Shooting (Time for Print/Pictures) oder einem bezahlten Workshop, dann basiert alles auf Vertrauen. Vertrauen ist die Basis für Emotionen vor der Kamera. Aber Vertrauen allein reicht nicht. Wir brauchen klare Regeln. Und hier kommt das Modelrelease – der Fotomodellvertrag – ins Spiel.
Was ist ein Modelrelease überhaupt? Ganz einfach: Es ist ein rechtlicher Vertrag zwischen dem Modell und dem Fotografen, der ganz eindeutig regelt, wie die Entlohnung aussieht und wem, wo und wie lange welche Bildrechte gehören.
Was zwingend in einen Vertrag gehört
Wenn ihr Bilder erschafft, wollt ihr sie auch zeigen. Damit es im Nachhinein keinen Ärger gibt, solltet ihr folgende Punkte immer schriftlich fixieren:
- Name und Kontaktdaten: Wer sind die Vertagspartner? (Inklusive E-Mail, Telefonnummer, etc.)
- Ort, Datum und Zweck der Aufnahmen: Das ist extrem wichtig! Wenn der Zweck fehlt (z. B. "Fashion-Fotos für Workshop-Werbung"), kann es später schnell zu Streitigkeiten kommen.
- Die Entlohnung: Fließt Geld? Ist es ein TFP-Vertrag?
- Bildrechte und Verwendung: Räumlich und zeitlich. Bei großen Werbe-Produktionen werden Rechte oft nur für ein Jahr oder eine spezielle Kampagne gekauft. Bei uns in der Peoplefotografie und in den Workshops regeln wir das in der Regel zeitlich unbegrenzt.
- Datenschutzklausel: In der heutigen Zeit absolut unverzichtbar.
- Schutzklauseln: Die Bilder dürfen weder Rufschädigend für den Fotografen noch für das Modell eingesetzt werden (z. B. keine Nutzung auf unseriösen Seiten).
Die Eigenwerbungs-Falle bei Modellen
Es gibt einen Punkt, über den viele Fotografen stolpern. In meinen Workshops dürfen – und sollen! – die Fotografen dem Modell auch ihre Best-of-Bilder geben. Jedes Modell freut sich über erstklassiges Material für die eigene Sedcard.
„Eigenwerbung bei Modellen ist immer kommerziell, weil das Modell verdient sein Geld unter anderem damit. Also macht es auch keinen Sinn, den kommerziellen Bereich dort [im Vertrag] auszuschließen...“
Das ist ein entscheidender Gedanke: Wenn ein Modell eure Bilder postet, um an neue, bezahlte Aufträge zu kommen, ist das kommerzielle Nutzung. Schließt ihr im Vertrag die kommerzielle Nutzung völlig aus, nehmt ihr dem Modell die Möglichkeit, das Bild für sich gewinnbringend einzusetzen. Seid hier transparent und fair zueinander.
Holt euch fachliche Rückendeckung
Ich bin Fotograf, kein Anwalt. Deshalb habe ich mir für diesen Teil der Vorbereitung Hilfe geholt. Ich habe mich intensiv mit Christian Höchsmann von der Kanzlei für Medienrecht ausgetauscht. Er stand mir Rede und Antwort und hat mir im Vorfeld enorm geholfen, mein Modelrelease wasserdicht zu machen.
Auf seiner Website (den Link findet ihr unten in der Videobeschreibung auf YouTube) gibt es fantastische Informationen für Fotografen rund um Bilddiebstahl, Namensnennung und eben das Modelrelease. Wenn ihr euch selbstständig macht oder Workshops plant: Lasst da Profis drüberschauen. Es spart euch schlaflose Nächte.
Fazit & Ausblick: Licht an für die nächste Woche
Ihr seht, bevor auch nur ein Blitz abgefeuert wird, gibt es viel zu regeln. Aber genau diese rechtliche Klarheit gibt uns später am Set die absolute Freiheit, uns fallen zu lassen. Wenn der Papierkram stimmt, können wir uns zu 100% auf das Licht, den Schattenfall, die Emotion des Modells und die Magie des Augenblicks konzentrieren.
Schaut euch unbedingt das Video oben an, dort zeige ich euch die Dokumente und mein Facebook-Scouting direkt am Bildschirm! Und bleibt dran: Nächste Woche geht es hier bei „Abenteuer Business“ um die Technik. Ich verrate euch, welche Blitzgeräte, LED-Lampen und Kameras ich zur Zeche mitschleppen werde – und vor welchen massiven logistischen Problemen ich dabei noch stehe. Denn glaubt mir, das ist jede Menge Zeug!
Schön, dass ihr dabei seid. Schnappt euch eure Kamera, macht keine Angst vor Verträgen und vor allem: Spielt mit dem Licht! Wir sehen uns beim nächsten Mal.