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Willkommen im kreativen Chaos: Backstage auf der Beauty Messe Kalkar

Hallo Freunde der Fotografie und willkommen zu einem neuen Abenteuer! Ich nehme euch heute mit an einen Ort, wo Kreativität, Chaos und verdammt gutes Licht aufeinanderprallen. Wir sind im Kernwasser Wunderland in Kalkar, genauer gesagt auf der Beauty Messe. Keine sterile Studio-Umgebung, kein bis ins letzte Detail geplanter Zeitplan – sondern echtes Leben, echte Emotionen und ein Set-Aufbau, der mich mal wieder einiges gelehrt hat.

Die großartige Zarathustra von Liechtenstein hatte mich im Vorfeld gefragt, ob ich eine Kooperation von ihr mit dem bekannten Hairstylisten "Monstermacher" fotografisch festhalten könnte. Sieben Modelle, extremes Make-up, unfassbare Outfits und ich mittendrin mit meiner Kamera. Schaut euch das Video oben an, wenn ihr die volle Energie spüren wollt – seht es mehr als Fotovlog. Aber hier im Artikel möchte ich ein bisschen tiefer in die Gedankenwelt hinter den Bildern eintauchen.

Die Sache mit den Absprachen – oder: Warum ich mein halbes Studio umsonst geschleppt habe

Wir Fotografen kennen das: Man will auf alles vorbereitet sein. Wenn es um Shootings on Location geht, tickt mein Kopf immer in Richtung „besser haben als brauchen“. Zarathustra bat mich, zwei Hintergrundsysteme mitzubringen. In meinem Kopf hieß das: Zwei Sets. Zwei komplett unterschiedliche Lichtstimmungen. Also habe ich mein Studio quasi leer geräumt, sieben Blitze eingepackt, die Stative ins Auto gewuchtet und mich auf eine massive Materialschlacht eingestellt.

Vor Ort dann die Realität. Erinnert ihr euch an das, was ich immer über Kommunikation sage? Hier ist der Beweis:

„Das Shooting wird garantiert interessant. Der Aufwand ist irre, aber 80% des Aufwandes hätte ich mir sparen können. Aber egal, ihr seid jetzt dabei, wie wir hier das Shooting machen.“

Es stellte sich heraus: Wir brauchten nur ein Set. Das zweite Hintergrundsystem diente lediglich dazu, dreidimensional ein paar Vorhänge in den Raum zu hängen. Solche Momente sind frustrierend, aber sie sind auch Teil des Prozesses. Als Fotograf musst du atmen, lächeln und das Beste aus dem machen, was vor dir steht. Das Licht richtet sich nicht nach deinem Frust, es richtet sich nach deiner Vision.

Hintergründe und Hardware: Mein Philosophie-Check auf der Messe

Wenn wir schon beim Set-Aufbau sind, lasst uns kurz über Equipment reden. Nicht im Sinne von Megapixeln, sondern von Werkzeugen, die uns Freiheit geben. Auf einer Messe herrscht optisches Rauschen. Überall sind Menschen, Stände, Lichter, die in deine Bilder grätschen wollen. Um die Modelle und ihre irren Outfits vom Hintergrund zu isolieren, habe ich ein 3x3 Meter Hintergrundsystem aufgebaut.

Warum gerade 3x3 Meter? Weil Licht und Schatten Raum brauchen. Mit 3 Metern Breite kann ich mehrere Models gleichzeitig ablichten oder ihnen einfach Bewegungsfreiheit geben. Und in der Höhe brauche ich Platz für mein Licht. Wer billige Systeme kauft, an die man nur einen leichten China-Stoff hängen kann, limitiert seine Kreativität. Kauft euch etwas Stabiles, das auch mal schwere Vorhänge oder Kate Backdrops aushält mit den entsprechenden Halteclips.

Licht ist Spannung: Flächig vs. Cinematisch

Jetzt wird es philosophisch. Die Outfits vom Monstermacher und von Zarathustra waren episch. Engel, Dämonen, Burlesque-Vibes. Wie leuchtet man sowas aus?

Zarathustra mag oft dieses flächige, gleichmäßige Licht. Es ist sicher, es zeigt alle Details des Make-ups. Aber ich? Ich liebe Schatten. Schatten geben Bildern eine Seele. Ich brauche dieses leicht seitliche, spannende Licht, das Strukturen formt und eine cinematische Tiefe erzeugt.

Ich habe dafür den Hensel Beauty Dish eingesetzt – für mich die Mutter aller Beauty Dishes. Ein fantastisches Lichtwerkzeug, das das Gesicht modelliert, ohne es platt zu walzen. Dazu ein großes Striplight (heute mal von Walimex) von schräg hinten. Dieses Kantenlicht ist das Geheimnis, liebe Leute! Es zieht eine feine, leuchtende Linie um das Model, trennt es vom dunklen Messe-Hintergrund und gibt dem Bild diesen dreidimensionalen, edlen Look.

Storytelling vor der Kamera: „Stell dir vor, du bist auf Wacken!“

Beim People-Shooting geht es nicht darum, einer Person zu sagen: „Stell dich hin und lächle.“ Das ist langweilig. Das ist Passbild-Mentalität. Die Modelle hatten stundenlang in der Maske gesessen, sie trugen gewaltige Flügel, Nieten und Glitzer. Meine Aufgabe als Fotograf ist es, sie in eine Rolle schlüpfen zu lassen, in der sie dieses Outfit nicht nur tragen, sondern leben.

Ich frage die Leute am Set gerne, was sie fühlen oder welche Musik sie hören. Einer der Typen sah unfassbar gut aus, war aber von der Pose her noch etwas statisch. Meine Ansage an die Models ist immer direkt und voller Energie:

„Spiel ruhig, tanz ruhig, was immer dir an Schwachsinn einfällt. Stell dir wirklich vor, du bist in so einer Burlesque-Show auf der Bühne. Das ist Show, du willst die Leute fesseln! Sei ein Ausdruck, was immer du willst: Ob hübsch, Vampir, mörderischer Vamp – was immer du möchtest.“

Und genau das passierte. Einer hörte Techno, der andere Metal. Als ich zum Metal-Fan sagte: „Stell dir vor, du bist auf Wacken auf der Bühne!“, hat sich die ganze Körperhaltung verändert. Das ist der Moment, für den ich fotografiere. Die Technik (die 80%, die ich umsonst aufgebaut habe) rückt in den Hintergrund. Was zählt, ist die Verbindung zwischen Fotograf und Mensch vor der Kamera.

Wenn die Realität zuschlägt: Flügel, fehlender Platz und Technik-Streiks

Natürlich lief nicht alles glatt. Die Outfits waren phänomenal – teilweise waren die Engelsflügel aber so riesig, dass das 3-Meter-System plötzlich winzig wirkte. „Du bist leider viel breiter als das Setting, damit habe ich jetzt nicht gerechnet“, musste ich lachend feststellen. Solche Momente fordern dich heraus, den Winkel zu ändern, enger zu schneiden oder das Licht neu zu formen.

Wir hatten sogar eine kurze Catwalk-Show des Monstermachers direkt auf der Messe, die ich mitgenommen habe. Das Adrenalin, die laute Musik, das schnelle Reagieren – das ist Street Photography im Studio-Gewand.

Und weil zur absoluten Authentizität auch das Scheitern gehört: Gegen Ende hat meine Panasonic den Geist aufgegeben und ich musste die letzten Sekunden mit der Actioncam drehen. Manchmal ist das Leben eben kein auf Hochglanz poliertes YouTube-Tutorial, sondern rohes, ungefiltertes Arbeiten an der Basis.

Mein Fazit: Das kreative Chaos umarmen

Dieses Event war der Hammer. Auch wenn ich beim Equipment-Packen etwas über das Ziel hinausgeschossen bin, haben die Modelle, die unglaublichen Designs von Monstermacher, Zarathustras Vision und unser Setup am Ende magische Bilder hervorgebracht.

Was könnt ihr daraus mitnehmen? Erstens: Klärt eure Absprachen zweimal (oder dreimal!). Zweitens: Traut euch an Schatten heran – flächiges Licht ist sicher, aber direktionelles Licht erzählt Geschichten. Und drittens: Sprecht mit euren Modellen. Gebt ihnen ein Gefühl, eine Rolle, einen Vibe. Lass sie tanzen, wüten, strahlen.

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem kleinen Behind-the-Scenes Artikel ein bisschen inspirieren. Wenn ihr das Video noch nicht gesehen habt, scrollt nach oben und klickt auf Play. Schaut euch an, wie wir das Licht gesetzt haben und wie die Outfits in Bewegung wirkten.

Und wie immer: Wenn ihr Fragen zum Setup, zur Lichtphilosophie oder zum Posing habt – haut es unten in die Kommentare. Ich freue mich auf den Austausch mit euch.

Wir sehen uns beim nächsten Shooting. Lasst das Licht für euch arbeiten!

Euer Ortwin

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