Willkommen beim Wahnsinn: Hinter den Kulissen von Traumwelten
Hallo Freunde der Fotografie, willkommen jetzt mal wieder beim absoluten Wahnsinn. Ich nehme euch heute mit an ein Set, das ein bisschen anders ist als mein normales Fotostudio. Wir stehen hier in einer riesigen Halle in Kalkar und fotografieren die Werbemotive für „Traumwelten – die Pferdeshow“. Wenn ihr meinen Kanal verfolgt, wisst ihr: Ein Shooting mit Menschen ist das eine, aber ein Shooting mit Pferden, Rittern, Feuer und historischen Sätteln? Das ist pure, rohe Energie. Und genau diese Energie müssen wir auf den Sensor bannen.
Bei diesem Projekt geht es nicht einfach darum, ein paar nette Bilder zu knipsen. Es geht um einen cinematischen Look. Bilder, die wie aus einem Kinofilm wirken. Geheimnisvoll, kraftvoll, episch. Und dafür brauchen wir die richtigen Leute, die absolut fantastischen Tiere und – ihr kennt mich – eine ordentliche Portion Licht und Schatten.
Licht formt Emotionen: Mein Set-Aufbau in der Halle
Lasst uns kurz über meine Lichtphilosophie für dieses Shooting sprechen. Licht ist für mich nie einfach nur da, um Dinge hell zu machen. Licht formt Emotionen, und noch viel wichtiger: Die Schatten erzählen die eigentliche Geschichte. Bei Pferden, besonders bei dramatischen Show-Pferden, wollen wir die Muskeln, die Dynamik und das Glänzen des Fells herausarbeiten.
Schaut euch an, was wir hier aufgebaut haben: Im Hintergrund hängt unser tiefschwarzer Molton (zweimal 3x3 Meter), den ich sonst im Studio verwende. Der schwarze Hintergrund saugt das Umgebungslicht auf und isoliert unser Motiv. Um das zu erreichen, arbeite ich mit Kontrasten.
„Ich erhoffe mir davon schwarzen Hintergrund, Pferde gut beleuchtet und halt, wenn die Kontraste zu viel werden, entsprechend die Aufhellung.“
Rechts und links stehen Blitze mit großen Striplights. Sie setzen die harten Kantenlichter (Rim Lights), die das Pferd aus der Dunkelheit herausschneiden. Von vorne arbeite ich mit einem Godox AD600 und einer großen Softbox für das Hauptlicht. Und tief im Raum, ein gutes Stück entfernt, steht mein riesiger 1,80-Meter-Schirm. Er blitzt nur indirekt mit, um die tiefsten Schatten ganz sanft anzuheben, damit uns keine Details im Fell absaufen. Wenn man das Licht so aufbaut, wird jedes Foto zum Kunstwerk. Aber Technik ist eben nicht alles – die Menschen vor der Kamera machen das Bild.
Die verrückte Horde: Die Künstler vor meiner Kamera
Was nützt das beste Licht, wenn das Motiv keine Seele hat? Bei Traumwelten haben wir einen Cast, der es in sich hat. Da ist zum Beispiel Nicole. Sie reitet ein Pferd, das manche von euch vielleicht aus dem Kino kennen – aus Filmen wie „Ostwind“. Sie zeigt eine traditionelle spanische Garrocha-Nummer. Die Eleganz, mit der dieses Pferd agiert, ist unfassbar professionell.
Und dann haben wir das harte Gegenteil: Andy Wolter und sein Team von Stuntpferde.de. Ritter, Feuer, Trickreiterei. Er ist der Garant für die wilde Action. Wenn ich ihn frage, was er am liebsten macht in der Show, kommt die ehrliche Antwort eines echten Showmans:
„Pöbeln. Du kleine picklige... ich spuck dich an! [...] Es gehört zur Show dazu. Ansonsten sind wir alle pflegeleicht, gut erzogen und wissen, was die Tageszeit ist.“
Genau das ist die Magie! Für das Foto schlüpfen sie in ihre Rolle, gucken grimmig, der Nebel wabert (danke dafür an unseren Licht- und Technikmagier Stanz!), und auf Knopfdruck entsteht ein Bild aus einer anderen Welt.
Farewell Fritz: Ein fotografischer Traum und ein historischer Sattel
Ein ganz besonderer Teil dieses Herzensprojekts – und auch der Name des Videos – gehört aber Mona und ihrem Pferd Fritz. Viele von euch kennen Fritz bereits, er hat mich durch unzählige meiner Videos begleitet. Ob Spanisch, Mittelalter, Feuer – dieser Kerl hat einfach alles mitgemacht. Er ist ein wahres Verlasspferd und, wie ich im Video sage: ein echter fotografischer Traum.
Für dieses Shooting hat Mona etwas ganz Besonderes mitgebracht: einen historischen Damensattel aus Peru. Es ist wohl ein Nachbau von Sissis Sattel. Die Frauen in Peru reiten dort traditionell heute noch so. Wenn ihr wissen wollt, wie unglaublich unangenehm es sein muss, das auszubalancieren, lest einfach mal nach. Auf den Fotos sieht diese historische Kombination jedenfalls unbeschreiblich majestätisch aus. Es schwingt immer auch ein bisschen Wehmut mit, wenn man so eine lange gemeinsame Reise mit einem Tier festhält. Dieser Videotitel kommt nicht von ungefähr.
Die ungeschminkte Wahrheit: 80 Stunden harte Pixelarbeit
Ich möchte in diesem Blogbeitrag absolut ehrlich zu euch sein. Im Video baue ich eine kleine "Unterbrechung aus der Zukunft" ein. Warum? Weil die Aufnahmen fast auf den Tag genau ein Jahr in der Schublade lagen, bevor ich das Video veröffentlichen konnte.
„Ich habe fast alle 800 Bilder bearbeitet. Die Bilder haben so zwischen 30 Sekunden und 20 Minuten in der Bildbearbeitung gedauert. [...] Verzeiht mir einfach, ich hatte einfach keine Lust mehr gehabt, mehr als diese jetzt schon 80 Stunden, die das Video bisher gekostet hat, einzusetzen.“
Das ist die Realität der People- und Eventfotografie, über die selten gesprochen wird. Wenn du einen cinematischen Look erschaffst, hörst du nicht auf, wenn du auf den Auslöser drückst. Das Entfernen von störenden Elementen in der Halle, das Nachbessern der Maskierungen, das Dodge & Burn (Aufhellen und Abdunkeln), um die Atmosphäre zu verdichten – das saugt dich aus. Aber wenn ich mir die finalen Ergebnisse anschaue, diese wuchtigen, kinoreifen Porträts von Mensch und Tier, dann weiß ich: Jede Sekunde dieser 80 Stunden hat sich gelohnt.
Ein Herzensprojekt: Fotografie für einen guten Zweck
Zum Schluss möchte ich noch auf etwas hinweisen, das weit über die Kamera hinausgeht. Hinter der Traumwelten-Pferdeshow steht Uwe. Ein Wahnsinnskerl, der früher bei Michael Jackson das Licht gemacht hat und sich nun entscheidet, diese wilde Horde zusammenzuhalten – und seinen Crewmitgliedern sogar Pizza ausgibt, was alles andere als selbstverständlich ist!
Uwe hat für den 23. Dezember eine besondere Show im Schloss Wickrath auf die Beine gestellt: Eine Benefizveranstaltung für 600 Menschen mit Behinderung, die völlig kostenlos an dieser magischen Welt teilhaben dürfen. Aber solche Events finanzieren sich nicht von allein. Solltet ihr Firmen kennen, die zum Jahresende noch Budgets für den guten Zweck übrig haben, schaut im Video vorbei und meldet euch bei Traumwelten. Gemeinsam können wir mit unseren Bildern helfen, echte Magie in der Realität zu erschaffen.
Fazit: Klickt rein und fühlt das Licht
Ich habe viel Herzblut in dieses Shooting und extrem viel Zeit in die Postproduktion gesteckt. Schaut euch das Video an. Lasst die Bilder auf euch wirken. Achtet darauf, wie das harte Streiflicht die Pferde vom schwarzen Hintergrund trennt und wie der indirekte Blitz die Weichheit ins Bild zurückholt. Erlebt hautnah, wie es am Set zugeht, wenn Ritter pöbeln, Pferde steigen und Nebelmaschinen auf Hochtouren laufen.
Fotografiert ihr selbst auch hin und wieder Tiere, oder bleibt ihr lieber beim klassischen Model-Shooting im kontrollierten Studio? Schreibt es mir in die Kommentare drüben bei YouTube. Und jetzt: Viel Spaß beim Video, genießt diese kleine filmische Reise ins Reich der Traumwelten und nehmt Abschied von unserem guten Fritz.
Euer Ortwin