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Willkommen im Chaos: Rosenmontag, Regen und eine Mission

Hallo zusammen, ich nehme euch heute mal wieder mit raus auf die Straße. Raus aus dem gemütlichen, warmen Studio und rein in das echte, ungefilterte Leben. Es ist Rosenmontag. Aber wer jetzt an strahlenden Sonnenschein, perfekten blauen Himmel und Kölner Postkartenmotive denkt, den muss ich enttäuschen. Wir sind heute in Gelsenkirchen unterwegs, genauer gesagt in Erle. Und das Wetter? Sagen wir es mal so: Es weint.

Warum ich mir das antue? Ganz einfach: Für eine gute Geschichte und für eine Muse. Meine Freundin Katharina ist auf einem der Wagen beim Karnevalsumzug mit dabei. Und wenn eine Muse ruft, dann packt der Fotograf seine Kamera ein, zieht die Kapuze tief ins Gesicht und macht sich auf den Weg. Natürlich war ich mal wieder viel zu spät dran – authentischer geht es kaum, oder? Aber wisst ihr was? Genau in diesem unperfekten Chaos, in dieser Hektik auf dem Weg zum Zug, da beginnt für mich die eigentliche Fotografie. Keine geplante Pose, kein gesetztes Licht. Nur ich, die Kamera und das, was die Straße mir in diesem Moment anbietet.

Die Poesie des schlechten Wetters: Warum Regen die besten Bilder macht

Schaut euch das Video an und ihr werdet schnell merken: Es ist nass, es ist kalt, es ist grau. Anders als damals bei unserem Karnevals-Shoot in Köln (das Video habe ich euch ja schon mal verlinkt), wo wir von der Sonne verwöhnt wurden, hat uns Gelsenkirchen heute alles andere als fotofreundliches Wetter serviert. Zumindest denken das die meisten.

Aber lasst uns mal philosophisch werden. Was ist Licht ohne Schatten? Was ist Freude ohne ein bisschen Melancholie? Ich liebe es, bei solchem Wetter zu fotografieren. Die Leute auf der Straße rufen: "Wir sind schon eine Woche wach!" – und genau das siehst du in ihren Gesichtern. Da ist Erschöpfung, da ist pure Leidenschaft für den Karneval, und da ist dieser trotzige Widerstand gegen das miese Wetter.

„Es regnet, es ist kalt hier in Gelsenkirchen, hier in Erle, aber das macht gerade die besonderen Bilder aus, glaube ich. Gerade dieses Wetter ist doch toll. Regen, Pfützen, da kommen tolle Emotionen auf.“

Eine nasse Straße im Ruhrgebiet funktioniert fast wie ein riesiger Reflektor. Die bunten Lichter der Karnevalswagen, die grellen Kostüme der Jecken – all das spiegelt sich in den Pfützen auf dem Asphalt. Es entsteht plötzlich eine cinematische Bildsprache, die du bei strahlendem Sonnenschein niemals bekommen würdest. Sonnenschein ist flach. Regen aber erzeugt Tiefe. Regen zwingt die Menschen dazu, enger zusammenzurücken, sich unter Schirmen zu verstecken oder das Wetter einfach lachend zu ignorieren. Das sind die Momente, in denen echte Emotionen sichtbar werden. Und genau darum geht es in der Peoplefotografie: Emotionen einfangen, nicht einfach nur Pixel sammeln.

Street Photography: Dem Leben beim Passieren zuschauen

Das Faszinierende an der Street Photography im Karneval ist die absurde Mischung aus aufgesetzten Masken und völlig unmaskierten Momenten. Da stehst du im strömenden Regen am Straßenrand, wartest darauf, dass der Wagen deiner Muse vorbeikommt, und lauschst unweigerlich den Geschichten um dich herum. Das ist Storytelling pur, geschrieben vom Leben selbst.

In einer Szene im Video höre ich plötzlich Wortfetzen aus der Menge. Jemand tröstet eine andere Person, vielleicht nach einem Beziehungsstreit mitten im Karnevalsgetümmel:

„Nein, er hat dich nicht verdient. Hello, hello... Oh, wie süß...“

Das ist es, was Dokumentarfotografie und Urban Photography so spannend macht. Du bist nicht nur der Typ mit der Kamera. Du bist ein leiser Beobachter. Du nimmst die Schwingungen der Straße auf. Du drückst nicht einfach auf den Auslöser, wenn jemand posiert. Du wartest auf diesen kleinen, verletzlichen Moment dazwischen. Auf den Blick, wenn sich jemand unbeobachtet fühlt. Auf die Träne (oder den Regentropfen?), der über ein geschminktes Clownsgesicht läuft.

Stimmung statt Technik: Licht, Schatten und das cineastische Gefühl

Ich sage es so oft: Kauft euch nicht die teuerste Kamera, um bessere Bilder zu machen. Lernt, das Licht zu sehen. Lernt, die Schatten als eure Freunde zu betrachten. Im Karneval von Gelsenkirchen an diesem grauen Tag gab es kein weiches, formendes Studio-Licht. Es gab nur das diffuse Grau vom Himmel und das harte, bunte Licht von blinkenden Plastik-Accessoires und Karnevalswagen.

Wie geht man damit um? Man umarmt es. Man schummelt nicht herum, um das Bild irgendwie nach Sommer aussehen zu lassen. Wenn du willst, dass deine Bilder eine Geschichte erzählen, dann musst du die Realität des Moments akzeptieren. Dreh den ISO-Wert hoch, wenn es sein muss. Lass das Bild ruhig rauschen! Kinofilme haben auch Filmkorn. Ein technisch perfektes, aber seelenloses Bild landet in der Tonne. Ein unscharfes, körniges Bild mit purer Emotion landet an der Wand.

„Was für ein Gewühle. Trotz des schlechten Wetters, echt tolle Bilder. Es kommt einfach nur drauf an, was man aus dem Licht und der Stimmung hier macht.“

Wenn ihr loszieht, um solche Events zu fotografieren, denkt konzeptionell: Sucht euch dunkle Hintergründe, vor denen die nassen, bunten Kostüme leuchten. Achtet auf die Augenkränze, auf das Licht, das vielleicht von einer Straßenlaterne in das Gesicht eures Motivs fällt und dort einen spannenden Schatten wirft. Es ist ein Spiel mit Kontrasten. Die Freude des Karnevals gegen die Tristesse des Wetters. Diese Reibung macht eure Fotos lebendig.

Fazit: Stürzt euch ins Gestümmel!

Mir hat dieser Tag in Gelsenkirchen mal wieder eines ganz deutlich gezeigt: Der beste Ort für einen Fotografen ist draußen. Auch wenn es regnet. Auch wenn man zu spät kommt. Auch wenn das Set-up chaotisch ist.

Gerade wenn das Wetter umschlägt und alle anderen ihre Kameras schnell in die wasserdichten Rucksäcke packen – das ist euer Moment. Holt die Kamera raus. Wischt die Tropfen von der Linse und schaut, wie sich die Welt um euch herum verändert. Die Menschen verhalten sich anders, das Licht wird dämpfer, die Farben satter. Es ist eine große, nasse Leinwand, auf der das Licht malt.

Ich habe meine Muse an diesem Tag erwischt, im Konfetti-Regen und im echten Regen. Es war ein Fest, trotz oder gerade wegen der nassen Füße.

Schaut euch das Video oben an, begleitet mich durch das Gewühle und spürt ein bisschen die Atmosphäre von Gelsenkirchen-Erle. Ich hoffe, ich kann euch damit ein wenig inspirieren, bei den nächsten grauen Wolken nicht auf dem Sofa zu bleiben, sondern rauszugehen und das Licht in den Schatten zu suchen.

Wenn ihr Fragen zu den Bildern, zum Umgang mit schlechtem Licht oder einfach Anmerkungen habt: Schreibt sie mir in die Kommentare unterm Video oder hier in den Blog. Ich freue mich auf den Austausch mit euch.

Bis zum nächsten Mal, lasst das Licht rein – euer Ortwin.

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